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Zweiter Band.
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Wachhcàrbranntwein 708 Wachs

strauches, Juniperua communia. Sie werden durchdas Trocknen braunschwarz und enthalten unter demdünnen, lederartigen Häutchen ein röthliches, har-ziges, zähes Mark von bitterlich süßem Geschmackund angenehmem, balsamischem Geruch, der beson-ders beim Verbrennen auf Kohlen hervortritt, so-wie 3 längliche, eckige, harte Samenkörner Sieenthalten ferner ein ätherisches Oel (s. Wachhol-deröl), eine Art graues, sprödes Wachs, ein schwachriechendes, geschmackloses, an den Kanten durch-scheinendes Harz und einen eigenthümlichen, schwerkrystallisirbaren, oder eigentlich nur gerinnenden,sehr zerfließlichen, honigfarbenen Zucker, der nochweniger süß als der Stärkezucker, aber der Gährungfähig ist, daher man einen starken Branntwein (s.Wachhold erbranntwein) aus den Beeren be-reiten kann. Durch Einkochen wird ferner ein dicker,sirupähnlicher Saft (s. Wachholdermuß) darausbereitet; auch kann man sie zur Gewinnung vonEssig benutzen. Außerdem werden sie als Gewürzan Speisen, als Räucherungsmittel und in der Me-dizin als urin- und schweißtreibendes Mittel ge-braucht. Die noch nicht vollkommen reifen, grünenBeeren schmecken viel stärker und bitterer als dieschwarzen. In Säcken aufbewahrt werden sie braunund die schwarzen werden mit der Zeit röthlich-braun und vertrocknen, so daß man sie zwischen denFingern zerreiben kann und sie endlich den Geruchund Geschmack verlieren. Man erhält sie besondersvom Fichtelgebirge, von der Röhn, dem Thüringer-walde, demSpessart, aus dem Nassauischen, vonder Eifel rc.

Wachholderbranntwein oder G e n e v e r (eigent-lich Ge nié vre), ist ein über Wachholderbeeren ab-gezogener , mit Wasser verdünnter und mit Zuckerversüßter Branntwein, der besonders in Schiedamund Weesp in den Niederlanden, außerdem auch inWestphalen, Ungarn, Siebenbürgen rc. gebranntwird. Das Aroma darin ist Wachholderöl. Er bil-det in Holland einen bedeutenden Ausfuhrartikel, daer besonders bei den Seeleuten sehr beliebt ist. DieBrennereien daselbst (mindestens 400) erzeugen zu-sammen jährlich 81 — 82 Mill. preuß. Quart undverbrauchen dazu im Durchschnitt 5—6 Mill. preuß.Scheffel Getreide. Ungefähr 50—55 Mill. Quartwerden ausgeführt, vorzüglich nach Ostindien. Manverwendet dazu ungemalzten Roggen aus Riga inKurland und Gerstenmalz; der Roggen ist leicht, derpreuß. Scheffel wiegt durchschnittlich 78^2 Preuß.Pfund, die Gerste 54^2 preuß. Pfund. Durchgängigwerden zwei Theile Roggen auf einen Theil Gerstegenommen. Man gewinnt 13^ bis 16 Quart aufden preuß. Scheffel, und der Spiritus hat gegen60 Bolumprocente.

Wachholdergeist oder Wachholderspiri-tus, Lpiritna Juniperi, wird durch Destilla-tion der Wachholderbeeren mit Weingeist gewonnen,ist wasserhell, riecht stark nach den Beeren und wirdin der Medizin besonders äußerlich gebraucht.

Wachholderholz, Lignum Juniperi, istdas feste, unter der Rinde weiße, im Innern gelb-lichrothe, scharf bitterlich balsamisch schmeckende undangenehm balsamisch riechende Holz der im Früh-jahr gesammelten Wurzeln des Wachholderstrauchs,das man in der Medizin zuweilen zu Holztränken,häufiger als Räuchermittel braucht. — Das Holzdes Strauches selbst, besonders aber des baum-artigen, schwedischen Wachholders, wird zu Stöcken,Pfeifenröhren und Drechslerarbeiten benutzt. Die

harzige Substanz, welche unter der Rinde sich vor-findet, war früher als deutscher Sandarak oderWachholderharz, Sandaraca germanica, vel ResinaJuniperi officinell. Aus dem Holze' gewinnt manein schwarzes, dickes Oel von starkem und unan-genehmen Geruch, das als Thierarznei gebrauchtwird.

Wachholdermuß, Wachholdersaft oderWachholderlatwerge, Rob Juniperi, dereingekochte, schwarze, dicke Saft, der im Wasser weichgekochten und ausgepreßten Wachholderbeeren, derwie diese in der Medizin und auch häufig als Haus-mittel gebraucht wird. Er wird in den meisten deut-schen Waldgegenden verfertigt. Das im Handelvorkommende ist meist zu flüssig und unrein. Es istein magenstärkendes Mittel.

Wachholderöl, Oleum Juniperi, wird ambesten durch Destillation nicht ganz reifer Beeren ge-wonnen und wie diese in der Medizin, sowie zuLikör benutzt und besonders aus dem Thüringer-walde und in Ungarn bereitet; eine geringere Sorte,welche nur die Thierärzte brauchen, kommt ausFrankreich. Oft ist es mit Terpentin - oder Kieuölverfälscht, auch wird zuweilen Wachholderholz mitKienöl destillirt und dieses für Wachholderöl ver-kauft. Das ächte muß, zwischen den Händen ge-rieben , keinen anderen als den reinen Wachholder-geruch zeigen. 8 Pfd. Beeren liefern etwa 24 LothOel. Es ist in den Beeren ein doppeltes Oel ent-halten, ein flüchtiges und ein weniger flüchtiges.Das erstere ist wasserhell, dünnflüssig, mit demaromatischen Gerüche der Beeren. Wird es mitSalzwasser gewaschen, so bildet sich ein krystallini-scher Niederschlag. Es opydirt schnell an der Luftund verwandelt sich in eine harzige Substanz. Dasweniger flüssige Oel ist gelblich. Nur ganz reifeBeeren liefern dieses Oel, welches auch nur schwachriecht. Läßt man eine Mischung von Wasser undOel einige Wochen stehen, so bilden sich sehr feineNadeln, das Hydrat dieses Oeles, als Niederschlag.Vor der Luft müssen beide Sorten sorgfältigst ver-schlossen werden. Der Geschmack der Oele ist scharf,breitend, kampherartig.

Wachs, Oera, ist ein eigenthümliches Pflanzen-fett , das am häufigsten von den Bienen aus demNektar und dem Blütheustaube der Blumen bereitetwird, sich aber auch auf den Blättern und der Rindemancher Pflanzen erzeugt und in dem Safte andererenthalten ist. Man unterscheidet daher Pflanzen-wachs und Bienenwachs; wegen des ersterenverweisen wir auf die Artikel Palmwachs undWachsbaum und sprechen hier nur von dem letz-teren. Dieses tritt in flüssigem Zustande ui^S denRinnen am Hinterkörper der Arbeitsbienen, ver-härtet aber an der Luft bald zu kleinen, zartenBlättchen, aus denen die Bienen die Zellen verfer-tigen, in denen sie den Honig sammeln und dieihren Eiern, Larven und Puppen als Wohnungdienen. Die aus diesen Zellen bestehenden Tafelnoder Waben werden aus den Stöcken geschnitten,der Honig davon ausgepreßt, dann ausgewaschenund mit etwas Wasser geschmolzen, in welchem Mdie Unreinigkeiten absetzen. Man gießt dann dasWachs gewöhnlich in runde Schüsseln oder Näpfi,und bringt es in solchen Broden oder Wachs-böden unter dem Namen rohes oder gelbesWachs in den Handel Es ist meist erbsgelb vonFarbe, oft aber heller, von Linden-, Raps- undRübsenblüthen weißlich (Jungfernwachs 9 e '