Wachs 709 Wachslichtbilder
nannt), und zuweilen spielt die Farbe ins Röth-liche oder Grünliche. Es hat einen angenehmen,honigartigen Geruch, ein specifisches Gewicht von0,956 (in heißem Wasser sinkt es unter) und einenkörnig splitterigen Bruch, schmilzt bei 50° R., kochtbei höherer Wärnie und verflüchtigt sich als ein sehrentzündlicher Dampf, brennt daher mit einemDocht rc. mit Heller Flamme, ist in 50 Theilenkochendem Weingeists, 10 Theilen kochendem Aether,in ätherischen und in erwärmten fetten Oelen anf-löslich und bildet mit Alkalien feste Seifen. Es be-steht aus ohngefähr 90 % eines festen Theiles,Cerin genannt, und ca. 8 % eines weicheren,Myricin. Es wird nicht selten mit Talg, Harz,Bohnen-, Mais- oder anderem Mehle verfälscht,was man zum Theil an dem Geruch beim Schmel-zen und an dem dabei entstehenden Bodensatz er-kennt; ferner löst Weingeist das Harz, nicht aberdas Wachs auf; durch beigemischten Talg wird esleichter und verliert den körnigen, splitterigen Bruch,und das mit Mehl vermischte läßt beim Verbrenneneine schmuzige, übelriechende Kohle zurück. Auch mitStearin wird eö zuweilen verfälscht, was man durchBehandlung mit heißem Weingeist entdeckt, in demsich die Stearinsäure leicht auflöst und sich danntheils durch eine saure Reaction, theils durch dasin der Kälte sich bildende krystallinische Gefüge ver-räth. — Wenn das gelbe Wachs zu dünnen Bän-dern geformt und so der Luft und der Sonne aus-gesetzt wird, so verliert es seine gelbe Farbe und auchgrößtentheils seinen Geruch, wird härter, spröder,durchscheinend und erst bei 56 0 schmelzend. Es wirddann weißes Wachs genannt und entweder inrunden Scheiben von 5 — 6 Zoll im Durchmesseroder auch in größeren Tafeln und Blöcken in denHandel gebracht. Man benutzt das weiße Wachs,welches in den Wachsbleichen bereitet wird, haupt-sächlich zu Wachskerzen , wozu sich aber jetzt seit derAnwendung des Stearins sein Gebrauch sehr ver-mindert hat. Das gelbe Wachs wird zur Verfer-tigung von Wachsstöcken, Wachsfackeln, Wachs-figuren u. a. Wachsbildnereien, zum Wichsen desLeders, zuni Bohnen der Zimmerböden, zum Aetz-grund für Kupferstecher, in den Apotheken zur Be-reitung von Pflastern, Salben, von Wachspapier rc.gebraucht. Man erhält das meiste und zum Theilauch das beste aus Rußland, Polen, Galizien, Un-garn, der Moldau und Wallachei, der europäischenund asiatischen Türkei; ferner aus dem nördlichenund westlichen Afrika, aus Ost- und Westindien,Nord- und Südamerika rc., und in Deutschlandwird ebenfalls, besonders in der nördlichen Hälfte,fast überall viel Wachs gewonnen; Frankreich undSpanien dagegen erzeugen nicht genug für ihrenBedarf. Das beste, von orange- oder braungelberFarbe kommt aus der Bukowina und dem angren-zenden Theile der Moldau; sehr gut ist auch dashellgelbe tarnopoler und podolische, von dem ammeisten ausgeführt wird. Das ungarische, nament-kch das Rosenauer aus dem Göinörer Komitat läßtsich sehr gut bleichen. Das türkische, besonders dasrumelische von hochrother Farbe, das ukrainer undbas weißliche und gelbe levantische von Smyrna sindebenfalls sehr gute Sorten. Aus dem Wachse gehenerne Menge chemischer Produkte hervor. Ein Theildesselben ist in heißem Weingeist leicht, ein andererschwer löslich. Aus dem leicht löslichen wird dieEerotinsänre, krystallinische Körner, erhalten;uus dem schwerlöslichen, dem Myricin, geht durch
Verseifung das Melissin hervor, eine krystal-linische Masse, welche die M e l i s s i n s ä u r e und dasMelen lieferte. Die Melissinsäure ist der Cerotin-säure sehr ähnlich. Das Melen bildet weiße Schup-pen , es ist in leichtem Alkohol und Aether leicht lös-lich. Durch Behandlung mit kochender Salpetersäureentsteht aus dem Wachse eine Reihe von Säuren, diefür die Chemie wichtig sind: Adizin, Lizin,Pim el in säure u. a. Mit Kalk destillirt erhältman aus dem Wachs ein flüchtiges, brenzliches Oel,das dunkelgelb sehr dick, von scharfem Geschmack undGeruch ist und mit der Zeit dicke Körner bildet.Es wird in der Medizin äußerlich gebraucht.
Wachsbarchent, s. Wachstuch.
Wachsbaum nennt man mehrere Arten derPflanzengaltung Myrica, namentlich M. eerifera,sebifera, pensylvanica und cordifolia, welche inNordamerika, besonders in Louisiana, Karolinaund Pensylvanien, sowie auch im südlichen Afrikawachsen, und auch unter dem Namen Wachs-myrthe, Lichtmyrthc, Wachsgagel oderGagel bekannt sind. Aus den Beeren derselben,welche außer den harten Samenkernen eine mehlige,fettige Masse enthalten, wird durch Auskochen dasschmuziggrüne Myrthen- oder Myricawachsgewonnen, welches durch wiederholtes Kochen blaß-grün wird, und das man wie das Bienenwachs zuKerzen rc. benutzt, welche Cerogenkerzen genanntwerden. Es ist härter als das Bienenwachs, durch-scheinend, läßt sich pulvern, hat einen splitterigenBruch, schwach aromatischen Geruch, l m spec. Ge-wicht, schmilzt bei 39» R. und besteht aus 86 Th.Cerin und 13 Th. Myricin. Auch von den Früchtender in Guiana wachsenden Uyrioa Dali wird Pflan-zenwachs bereitet. Der Milchsaft des in Südamerikaan den Abhängen der Cordilleren wachsendenMilch- oder Kuhbaumes, Galactodendron utileoder Urtica Galactodendron, gibt ein dem Bienen-wachse sehr ähnliches Wachs, das gelblichweiß vonFarbe und durchscheinend ist, und aus dem gutbrennende Kerzen verfertigt werden.
Wachsblumen sind künstliche Blunien, derenBlätter aus feinem Papier oder Seidenzeug be-stehen , das in gefärbtes Wachs getaucht ist.
Wachs/ chinesisches, ist eine weiße, demWallrath ähnliche, geäderte, glänzende, wachsartigeMasse, die in China von einer Art Schildlaus,Coccus eerifera, gewonnen wird. Durch Destilla-tion erhält man aus ihm die Cerotinsäure, inKörnern krystallisirend, das Ceroten, eine ArtKohlenwasserstoff und Cerotin, ein wachsartigerKörper, als chemische Produkte.
Wachsfrüchte, der Natur nachgeahmtes Obst,Beeren u. dgl. von gefärbtem und bemaltem Wachs,die entweder massiv in hohle Formen gegossen oderhohl sind und nur aus einer dünnen' Wachsschalebestehen, indem man das in die Formen gegosseneflüssige Wachs nur darin herumschwenkt und danndas überflüssige wieder herauslaufen läßt. Wein-beeren, Johannisbeeren rc. werden auch aus kleinen,hohlen Glaskugeln verfertigt, die man in entsprechendgefärbtes und geschmolzenes Wachs taucht. Manverfertigt sie in Wien, Aigen in Oberösterreich,Berlin, Hainichen in Sachsen rc.
Wachskerzen, Wachslichter,s. Lichter.
Wachsleinwand, Wachskattun, Wachs-musselin, Wachs barchent, s. Wachstuch.
Wachslichtbilder oder C e r o p h a nb i l d er sinddurchscheinende Bilder von gefärbtem Wachs, welche