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Zweiter Band.
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Weiren 743 Wermuthöl

und daher als die vorzüglichste Brodfrucht geschätztsind. Die Farbe ist je nach der Art, der Witterung,dem Boden rc. blaßgelb bis dunkelgelb oder röthlichund im Handel, namentlich in den Ostseehäfen, un-terscheidet man daher weißen, bunten, hoch-bunten und rothen; der bunte besteht aus einemGemisch von mehr weißen als rothen, der hochbuntebon mehr rothen als weißen Körnern. Es gibt über-haupt sehr viele Arten und Varietäten desselben, diein die Leiden Hauptclassen: Winterweizen undSommerweizen zerfallen; doch werden einigeArten als Winterfrucht und auch als Sommerfruchtangebaut. Der Winterweizen, der am häufigstengebaut wird, gibt in der Regel einen höheren Ertragan schwereren und mehlreicheren Körnern und wirddaher auch theurer bezahlt als der Sommerweizen,den man häufiger in südlichen als in nördlichenLändern erbaut- Auch soll sich der Winterweizenbesser zum Brodbacken, der Sommerweizen besser)ur geistigen Gährnng eignen- Die Güte des Wei-zens beurtheilt man nach seiner Farbe, Gestalt, Ge-ruch, Geschmack, Reinheit, Schwere und nach derArt, wie sich die Körner zerbeißen lassen. Derblaßgelbe ist in der Regel am meisten geschätzt, 'auchist der in Polen erbaute weiße Weizen mit großemdünnschäligem Korne eine der vorzüglichsten Sor-ten. Die Körner müssen kurz, gedrungen undrundlich sein, die Rinne muß deutlich und tief, dieSchale dünn, glänzend und glatt sein, so daß dieKörner leicht durch die Finger schlüpfen; es dürfennicht verschiedene Gattungen unter einander ge-mischt, sondern die Körner müssen egal sein, auchdarf er keine brandigen oder angefressenen Körneroder fremde Samen enthalten; der Geruch mußkrisch und angenehm, nicht brandig sein; wenn manein Korn zerbeißt, darf es sich nicht breit drücken,aber auch nicht zu hart sein; es muß inwendig ganzrveiß aussehen und das Mehl muß den Speichelklebrig machen. Bon gutem Winterweizeu wiegtder preuß. Scheffel ohngefähr 90 Pfd., 85 ] / 2 Pfd.ober ist gewöhnlich das niedrigste Gewicht; derPreis wird hauptsächlich nach dem Gewicht bestimmt.Der Weizen ist besonders in England und Frank-reich ein wichtiger Consnmtionsartikel, weil man indiesen Ländern fast allgemein nur Weizenbrod ißt;auch führt besonders England in den meisten Jahrenbrel davon ein. In den deutschen und russischenOstseehäfen, in Hamburg, Holland, England, Frank-reich, Italien, den russischen Häfen am schwarzenMeere ist Weizen der wichtigste Artikel des Getreide-handels und Gegenstand großartiger Unterneh-niungen, Spekulationen und Liefernngsgeschäfte.iS. auch Getreide.) Das Weizenmehl, FarinaTritici , Weizenkleie, Fursur tritici, Stärkemehl,■A- n >ylum, und Weizenbrod sind officinell. Es dientzu vielen Speisen, Backwerken, zur Bereitung vieler"vlersorten u. s. w.

Weizen, türkischer, spanischer, india-"^Ser, ägyptischer rc., s. Mais.

Wellenleisten nennt man die zur Verzierungoon Möbeln dienenden Leisten von feinem Holze,oenen man vermittelst einer eigenthümlichen Hobel-? cm ne bme wellenförmige Oberfläche gegeben hat;'• Möbeln.

Wellwurzel , s. Schwarzwurzel.

Silurus glanis, der größte euro-pacsche Süßwasserfisch, der bis 8 Fuß lang unduver 3 Ctr. schwer wird und sich in den meistengrößeren Flüssen Deutschlands, Ungarns, Ruß-

lands rc. findet. Er ist schwarzgrünlich von Farbemit dunkleren Flecken, am Bauche gelblich, hat einendicken Kopf und großes, fast froschartiges Maul mit6 langen Bartfäden, ist sehr gefräßig, träge und hatein zähes Leben. Sein Fleisch ist zwar gröber alsdas des Lachses, aber besonders von jung«: Fischenweich, fett, wohlschmeckend und nahrhaft, weshalbes sowohl frisch als marinirt häufig gegessen wird.AuS der Haut und' der Blase kann guter Leim be-reitet werden.

Welschkor»:, s. Mais.

Weltauge, s. Opal und Peliom.

Welters Bitter, s. Kohlenstickstoffsäure.

Welthandel, s. Handel.

Werft wird der nahe am Ufer liegende Platz ge-nannt, wo Schisse auf Gerüsten gebaut und ausge-bessert werden. (S. auch Stapel.)

Werfung, s. Seewurf.

Werg, Werrig oder Heede sind die groben,kurzen, verworrenen Fäden von Flachs und Hanf,welche beim Hecheln desselben in den Hecheln zurück-bleiben und die auch meist noch mit mehr oder we-niger Schäben (kleinen Holzstückchen vom Stengel)vermischt sind. Es wird gewöhnlich noch einmalgehechelt und zu Garn gesponnen, aus welchemPackleinwand und andere geringere und mittle Ge-webe verfertigt werden, wozu man es auch oft mitgutem Flachs- oder Hanfgarn, mit ordinairemWollengarn rc. vermischt. In England aber ver-spinnt man jetzt das Flachswerg auf eigenen Ma-schinen zn feinem Garn, Towgarn genannt,welches zum Weben von Leinwand verwendet wird(s. Leinengarn). Die Hanfheede wird beson-ders zu Stricken verarbeitet und die geringe zumKalfatern der Schiffe benutzt.

Wergbamnwolle, s. Heedebaumw olle.

Wermuth oder bitterer Beifnß, Arte-misia Absinthium, eine in ganz Europa, be-sonders aber in südlichen Ländern auf Schutthaufenund wüsten Plätzen wachsende und auch angebautePflanze mit meist doppelt fiederspaltigen, nach obenzn linienlanzettförmigen, weichen und weißlichten,vielfach getheilten Blättern und gelben, in Traubenan der Stengelspitze und in den Blattwinkeln stehen-den halbkugelförmigen Blüthen. Alle Theile der-selben haben einen eigenthümlichen starken, widrigbalsamischen, fast betäubenden Geruch und sehr bit-teren gewürzhasten Geschmack. Man sammelt dieBlätter und die blühenden Stengelspitzen, Herbaund Summitates Absinthii, und braucht sie in derMedizin in Aufguß, Extract und Tinctur gegenWechselfieber, Verdauuugs- u. allgemeine Schwäche,Wurmkrankheiten rc., setzt sie auch mit Wein auf,zieht Branntwein darüber ab und bereitet dasWermuthöl (s. d. folg. Art.) davon. Das inihm enthaltene A b s i n t h i i n krystallisirt schwer, istbräunlichgelb, sehr bitter, leicht löslich. Mit Schwe-felsäure gibt die Lösung eine röthliche Färbung,welche an der Luft indigoblau wird. Früher wurdeauch das aus der Asche des Wermuths durch Aus-langen und Abdampfen gewonnene Salz, Sal Ab-sinthii, in der Medizin gebraucht, das aber keineandere Wirkung hat, als gewöhnliche Potasche.

Wermuthöl, ätherisches, Oleum Absin-thii aethereum, das durch Destillation derBlüthenspitzen des Wermuth gewonnene ätherischeOel von grünlicher, mit der Zeit bräunlich werden-der Farbe, starken, Wermuthgeruch und etwas bitte-rem Geschmack. Man braucht es in der Medizin