Band 
Zweiter Band.
Seite
769
JPEG-Download
 

769

Zinnfolie

Zinn

schönem Glanz, dehnbar und leicht schmelzbar, dassich hämmern, strecken, bis zu Blättern von 7m»«Av?Dicke zu Draht ziehen (der jedoch wenig Zähigkeithat, indem 2 Millimeter dicker Draht schon durchein Gewicht von 48 Pfd. reißt), schaben und schnei-den läßt, in der Hand erwärmt oder gerieben eineneigenthümlichen unangenehmen Geruch erhält undbeim Biegen und zwischen den Zähnen gedrückt einknisterndes Geräusch gibt. Das letztere wird als einZeichen der Reinheit betrachtet, da es nicht in gleichemMaße stattfindet, wenn das Zinn mit einem andernMetalle vermischt ist. Sein spez. Gew. ist — 7, 291 —7,475, es schmilzt bei 288", überzieht sich geschmolzenund bis zum Glühen erhitzt, bald mit einem grauen,allmälig schmuzigweiß werdenden Oxyd, der Z i n n-asche (s. d.), und reines Zinn verflüchtigt sich beisehr starker Hitze langsam. Das Zinn des Handelsist nie ganz rein, es enthält viele fremde Metalle,hauptsächlich Arsenik auch. Gediegen findet es sichnicht oder nur sehr selten, dagegen ziemlich häufigals Oxyd, und zwar entweder krystallistrt (Zinn-grausten), oder faserig (H o l z z i n n), oder als g e-meiner Zinnstein oderZinnspath; außerdemauch, jedoch in geringerer Menge, mit Schwefel ver-bunden als Zinnkies oder Schwefelkies. Dasmeiste und beste Zinn kommt von der Insel Bankain Ostindien; außerdem von einigen in deren Nähegelegenen Inseln, namentlich Biliton, von der Halb-insel Malakka, von den Mergui-Jnseln, aus Siamund Birma, aus Cornwallis und Devonshire inEngland, und außerdem findet es sich in mehrerenLändern Europas, z. B. bei Altenberg und Marien-verg in Sachsen, bei Gleiwitz in Schlesien, in Böh-men u. s. w. Das ostindische kann fast als chemischrein angesehen werden und kommt überdies in Eng-land noch billiger zu stehen, als das englische selbst.Es kommt gewöhnlich in kleinen Barren von 40—50, oder in größeren von 120—130 Pfd.; wenn esm dünnen Stangen gegossen ist, kann man es wohl^vanzigmal hin und her biegen, ehe es zerbricht.Das Malakkazinn kommt meist in abgestumpftendreiseitigen Pyramiden von 7a — 17* Psd. DasMlische, das zwar ebenfalls sehr gut ist, aber immer^lei und Kupfer enthält, wird in Blöcken von ca.o Ctr. oder in Stangen von verschiedenem Gewichtversendet, zuweilen auch in Tafeln oder in Körnern(das feinste, welches jedoch selten ins Ausland geht),und ist immer mit einer Rose bezeichnet. Es heißt^osenzinn und enthält auf 15 Pfd. Zinn 1 Pfd.^lei. Das Bankazinn nennt man in England 01(1-(altes Zinn), das Malakkazinn New-tin (neues).Das sächsische ist zum Theil von sehr guter Qualität,das sogenannte Bergzinn aber sehr unrein. EsWird meist in großen Stücken oder in Stangen,mich in breiten Platten, welche ballenförmig zusam-u^engerollt sind (Ballenzinn), versendet; dasdohmische in dünnen, biätterartigen gestempeltenStücken (Zinngröschen), oder in kleinen Blöckenund als Ballenzinn; es ist mit einer aufgeschlagenen^o)e bezeichnet und wird daher auch Rosen - oder^oselzinn genannt. — Man verarbeitet das Zinn»u verschiedenen Geschirren und Geräthschaften, zuOrgelpfeifen, zu Platten zum Notendruck, zu Stan-zum Belegen der Spiegel, zu verschiedenen^tetallcompositionen, znm Verzinnen des Blechs,Zupfers je. und zu verschiedenen Präparaten, be-^uders für die Färberei, die wir in den folgenden i, 7 '“™' aufführen. Zu den gewöhnlichen Geräth- 'litten wird es meist mit Blei vermischt und ge-

3u r t ’ e Unip.«?tjtctm. II.

wöhnlich existiren gesetzliche Vorschriften über dasdabei zu beobachtende Verhältniß. In Oesterreichund mehreren anderen deutschen Ländern ist z. B.

7i» Bleiznsatz erlaubt, in Danzig nur V 20 , in Eng-land wird bis zu 7g Blei zugesetzt. In anderenLändern hat man 4stämpeliges Zinn <32 Zinn u1 Blei), 3stämpeliges (5 Z. u. 1 Blei), 2stämpeligesoder 3pfündiges (2 Z u. 1 Blei>, 2pfündiges (1 Z.n. 1 Blei), 4pfündiges (3 Z. u. 1 Blei) rc. Die so-genannte Nürnberger Legirung, welche sich durchHärte auszeichnet, enthält 4% Kupfer und etwasSpießglanz; die Legirung für Theaterschmuck bestehtaus 29 Zinn und 19 Blei. Eine Mischung von95 Zinn und 5 Argentan, welche mehr Härte undGlanz hat als reines Zinn und daher auch Glanz-° zinn genannt wird, benutzt man zum Gießen ver-schiedener Artikel, denen eine schöne Politur gegebenwerden kann. Durch einen Zusatz von 1 Pso.Quecksilber auf 99 Pfd. Zinn erhält man das ,Weißzinn, das eine weißere Farbe und ausge-zeichneten Glanz hat, aber zu Küchengeschirren nichtverwendet werden kann.

Zinnasche, Zinnoxyd, Zinnkalk oderZinnsäure, Stannum oxydatum, Cineresober Cerussa Jovis oder Stanni, ein gelblich-weiße«, geschmack- und geruchloses, in Wasser un-lösliches Pulver, das bereitet wird, indem man ent-weder Zinn in Salpetersäure auflöst, oder Zinn-chlorid durch Alkalien niederschlägt. Wenn esgraulich von Farbe ist, enthält es noch metallischesZinn. Es wirv in der Färberei und Kattundruckerei,zur Verfertigung von Email, zur Glasmalerei, zurFayenceglasur, zum Poliren von Glas, Krystall rc.gebraucht.

Zinnauflösrmg, s. Zinnsalz.

Zinnchlorid, s. Zinnoxyd, salzsaures.

Zinnchlorid, salmiakhaltiges, Stann-amoninmchlorid, Pinksalz oder Rosasalz,eine Verbindung des Chlorzinns mit Salmiak, dieals ein krystallinisches, schneeweißes, lockeres, geruch-loses Pulver dargestellt wird, das zusammenziehendnach Salmiak schmeckt und sich in reinem Wasserleicht und ohne Rückstand schon in der Kälte auflöst.

Es wird fabrikmäßig im Großen bereitet und in derFärberei und beim Zeugdruü besonders zur Erhö-hung der rothen Farbe angewendet.

Hinnchlorü« s. Zinn salz.

Zinncomposition, s. Zinuoxvd, salz-saures.

Zinnfeile, Limatura Stanni, Stannumlimatum, mit den feinsten Raspeln aus dem fein-sten Zinn bereitete Feilspäne, die in der Medizinbesonders als Mittel gegen den Bandwurm gebrauchtwerden.

Zinnfiguren, als: Soldaten, Thiere, Bäume rc.als Spielzeug für Kinder, ferner kleine zinnerneKüchengeschirre, werden aus einer Composition vonZinn und Blei verfertigt und in großer Menge inNürnberg, sowie auch in Leipzig fabrizirt.

Zinnfolie, s. Stanniol. — In England ver-fertigt man jetzt mit Zinn plattirte Blelfolie, welchedie wirkliche Zinnfolie völlig ersetzt , und von deraußerordentlich viel zum Verpacken von allerhandWaaren gebraucht wird. ‘ Die Blätter haben150 IIHZoll und es gehen 10, 20 und 40 Blätter aufdas Pfund. Auch wird sie mit Gold-, Kupfer- oderanderer Farbe gefärbt und gefirnißt, mit Oelfarbebedruckt, gekrispelt rc., und man verfertigt sogarausgezeichnete schöne Tapeten davon, indem man sie ,

49