Buch 
Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
Entstehung
Seite
51
JPEG-Download
 

Erbse.

51

sen. Ungemähte, also freistehende und einer Fäulniß noch nicht aus-gesetzte Erbsen können, stockreif, häufigere Regengüsse erhalten, ohneauszupahlen Eben so ist das Aufspringen der Erbsenschoten in denSchwaden eine Folge des schon eingetretenen ersten Grades der Faul-niß, nämlich des Schimmels der Hülsen und Blätter. Die zusam-men geregnete, von der Einwirkung der Luft entblößte Masse geräth,nach erfolgender warmer Witterung und Sonnenschein, oft schon bin-nen wenigen Stunden in jenen Zustand. Wartet man, wie gewöhn-lich, mit dem Rühren der Erbsen bis solche vollkommen abgetrocknetsind, so werden die an die Luft gebrachten verschimmelten Schotenihre Körner während der Bearbeitung verlieren, und die ausgelaug-ten in kräftigem Zustande den Schafen so gedeihlichen Blätter kei-nen Futterwerth mehr behalten. Beide Nachtheile werden durchauszu vermeiden sein, wenn man die Ursache entfernt, welche eine Fäul-niß veranlaßt, nämlich die Erbsen nach dem ersten oberflächlichenAbtrocknen kehrt, erforderlichen Falls solche selbst in noch nassem Zu-stande durch wiederholtes Aufschacken und Lüften in einer lockernErde zu erhalten sucht. Stroh und Hülsen der Erbsen können zumEinfahren geeignet sein, wenn nach häufig stattgefunden«» nachdrück-lichem Regen die Körner in den Schoten noch ganz weich sind, jaletztere oftmals noch Wasser enthalten. Doch ist es keineswegs zuempfehlen, die Erbsen in diesem weichen Körnerzustande einzubanscn,da sie, wenn sie auch noch so lange im Fache liegen bleiben, nie er-härten, und nach dem Dreschen auf dem Speicher noch schimmeln,wenn man ihrem Verderben nicht durch die sorgsamste Aufsicht ent-gegen zu arbeiten sucht. Es kommen auch wohl Fälle vor, wo dieErbsen lediglich zur Futtergewinnung und Hcubcrcitung gebaut wer-den. Die Bergung des Erbsenbeucs ist zwar kostbarer als die Erndteder reif gewordenen Erbsen; allein sie fällt in eine gewöhnlich weni-ger beschäftigte Zeit, ist im Ganzen eine Erleichterung der Kornerndte.Wenn man Raps säen will, leistet diese Mctbode eine angemesseneAushülfe. Die Hcubereitung ist auch vorzüglich dann mit Vortbcilvorzunehmen, wenn der Acker zugleich mit Klee und Gräsern abge-säet war. Die den Erbsen so gefährlichen Blattläuse, viel unter denblühenden Erbsen vorhandenes, noch nicht zum Saamen ansehen ge-kommenes Unkraut und andere Umstände können daS Erbscnheuma-chcn gebieten. Wenn zu Anfange der Blüthe gemähte Gewächse demBoden weniger Pflanzennahrungsstoff entziehen, als reifgcwordcne,so wird sich in den meisten Fällen, wo es auf Schaffutter abgesehenist, der Vortheil auf die Seite der Erbsenheumacher stellen. Nachgewöhnlicher Weise bereitet, erhitzt sich das Erbsenheu gar zuleicht später in der Scheune oder auf dem Boden und hat dann so-wohl viel Arbeit mit dem Herausschaffen, neuerdings Trocknen undWiedereindringen, als auch oft das Verderben des Erbsenheues selbstzur Folge. Dieses steht durch folgendes Verfahren zu verhüten. Diegrün gemährten Erbsen bleiben bis zum ersten Welken in Schwaden,wobei sie ein- oder zweimal zu wenden sind. Regen in dieser Pe-riode schadet dem vollen, noch nicht abgestorbenen Gewächse nicht.

4 '