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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Sichte.

lockern Boden gehen die Pflänzchen zwar gut auf, aber sie vertrocknensehr bald bei dürrer Witterung und werden vom Frost in dieHöhe gezogen. Die Saamenumhüllung bringt die Pflanze mit überdie Erde, sie stößt aber dieselbe bald ab, wenn die, gewöhnlich ausö Nadeln bestehenden, Büschel diesen Schutz nicht mehr nöthig ha-ben. Im ersten Jahre wachst die junge Fichte nur wenig, und selbstim zweiten Jahre ist der Wuchs meistens gering, wenn der Bodennicht gut ist. Auf gutem Boden aber beträgt der Längenwucksoft 3 bis 4 Zoll, und nimmt mit jedem Jahre zu, bis die Fichtenach 6 bis 8 Jahren recht in Zug kommt. So lange die Fichtenoch sehr klein ist, leidet sie viel vom Sonnenbrände, weil sie nichttief einwurzelt, so wie sie auch durch das lange Gras und Forstun-kraut leicht verdammt wird.

Um daher diese Uebel so viel als möglich zu vermeiden, wähltman jetzt zum Anbau großer Blößen vorzugsweise die Pflanzung mit1 2 Fuß hohkn Pflänzlingen, die mit Ballen verseht werden,oder man versetzt 3 4jähriqe Fichten büschelweise. Wenngleichdie 1 Fuß hohen Pflänzlinge für die besten gelten, so kommen dochdie 2 bis 4 Fuß großen auch noch recht gut fort, wenn sie nursorgfältig ausgeboben und gepflanzt werden; selbst 8 bis 10 Fußhohe Pflanzen kommen fort, wenn sie sorgfältig verseht und durchPfähle vor dem Umfallen gesichert werden können. Bei der Ver-pflanzung genügt eine Entfernung von 4 bis 5 Fuß.

Die beste Zeit zum Vervflanzen ist im April und Mai bismit dem Wachsen der neuen Triebe oder der Saugwurzeln; Herbst-pflanzungen sind unsicher, weil der Frost die Pflänzchen leichtaufzieht, oder der Wind sie »u lose macht. Die Fichte liebt einenaus Dammerde, Lehm und Sand oder kleinen Steinen vermengten,gemäßigt feuchten Boden; man kann sie aber auch auf einem weni-ger guten Boden mit Vortheil erziehen.

Eine vermischte Ansaat von Fichten und Kiefern ist nicht vor«theilhaft, weil diese in der ersten Periode zu schnell wachsen und jeneunterdrücken; besser passen Birken und Fichten zusammen. Wenndie Fichte einmal in Schluß gekommen ist, dann unterdrückt sieziemlich alles unter sich, waS nicht MvoS und Flechte ist. In nassenund zugigen Thälern leiden die jungen Triebe zuweilen durch Spät-fröste. In einem angemessenen Schlüsse unter sich oder mit ihnengleichmäßig wachsenden Holzarten wachsen die Fichten am besten.Bei lichtem Stande treiben sie zu sehr in Seitenäste und bekommendeshalb keinen schlanken Stamm; in zu dichtem Stande aber blei-ben sie zurück und werden frühzeitig mit Flechten überzogen, so wieüberhaupt bei forstlich und richtiger Behandlung die Fichtenwäldervon Sturmwinden, Schnee und Duftanhängcn leiden.

Der Gaamen der Fichte bleibt 4 5 Jabre keimfähig; eswiegt der Scheffel des entflügelten Saamens 48 Pfd., mit Flügeln17 Pfd. Ein Pfund Saamen mit Flügeln zählt 45,300 Körner,ohne Flügel 64,000, Der Saathcdarf pro Morgen ist: