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Fichte.
DaS Holz der Fichte ist gelblich weiß, elastisch, ziemlich leicht,von feinem Gefüge, langfaserig und etwas harzig, und das vom Ja-nuar bis in die Mitte des März gefällte ist das beste Bau- und Nutz-holz; früher und später gehauen ist es zu saftreich und zum Schwämmegeneigt, wenn die Stämme nicht ungeästet liegen bleiben können,bis die Nadeln verwelkt sind. Die größten und schlanken Stämmegeben ein treffliches Bauholz, vorzüglich Tragebalken, auch liefert sieein gutes Tischler- und Böttcherholz und ist mit Recht geschäht zuBrettern und Balken, zum Orgelbau u. s. w. Aus dem Harzewird Pech gewonnen, doch ist dabei, wenn die Holzprcise mittelmäßigsind, Verlust, weil die Bäume im Wachsthum gehindert werden unddas Holz mürbe und untauglich zu Bauholz wird, auch als Brenn-holz einen geringen Werth hat. Das Harzscharren dürfte daher nur10 bis 12 Jahre vor der Hauung gestattet werden, beim Bauholzeaber niemals. Das nach gemachten Einschnitten aus der Fichte(auch aus andern Nadelhölzern) ausflicßcnde Harz heißt in seinemfrischen Zustande Terpentin; am Baume selbst ausgetrocknet odernur etwa bis zum Schmelzen zur Absonderung der Unreinigkcitcnerhitzt gewesen, heißt es schlechthin Harz. Fichtcnharz. Hältman dieses Harz ohne alles hinzugegossene Wasser so lange über demFeuer, bis es rothgelb geworden und aller Tcrpentingeruch verschwun-den ist, so heißt es Kolophonium. — Die Fichtenrindewird unter den Nadelholzarten am häufigsten zum Gerben verwendet.Am liebsten nimmt man die von mittelmäßig starken Stämmen, dadie von starken Stämmen nicht so wirksam ist. Man schält dieStämme während der Saftzeit, und die Rinde wird gewöhnlich in4 bis 6 langen Düten oder Rollen nach Klaftern, wie Holz, verkauft.In Waldungen, von wo aus starker Floßhandel getrieben wird, istmeist auch der Rindenhandel bedeutend, indem die zu flößendenStämme gewöhnlich vorher geschält werden. Auch ist die Fichten-rinde als der beste und zugleich wohlfeilste Nichtleiter der Wärmeerprobt. — Die Nadeln dienen als Streumittel. — Die Fich-ten sprossen, d. h. die blätterigen, walzenförmigen, mit trocke-nen Schuppen besetzten jungen Sprossen, die sich am Ende derZweige der Fichte befinden, und die im Frühlinge gesammelt werden,wenn sie noch nicht über 2 Zoll lang sind, erleiden medicinische An-wendung und dienen zur Bereitung eines besondern Biers. Sonstvertreten sie auch wohl die Stelle des Hopfens. — Die Zapfenliefern unreif ein Oel, welches mit Mastix einen guten Firniß giebt;reif sind sie ein treffliches Surrogat zum Lohgerbcn, bei deren Zube-reitung für diesen Zweck nur eine unbedeutende Abänderung desStämpfels auf der Lohmühle und eine kleine Abweichung beim Ger-ben selbst vorzunehmen ist. — Die Fichten sa amen liefern gegen24 Procent Oel, welches etwas unreiner als Rüböl ist, aber gut undfast sparsamer als dieses brennt. Warm geschlagen sieht das Fich-tenöl goldgelb, kalt hellgelb, riecht und schmeckt etwas nach Terpen-tin, trocknet sehr leicht und ist daher zu Firnissen anwendbar. —Die Acste sind? gut zu Faßreifen und als Drechslerholz zu gebrauchen;