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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Flachs oder Lein.

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die Zweige, im März geschnitten, geben die zähesten Mieden zumBinden der Hecken und Flöße. Aus den Wurzeln werdenKörbe, Nester und Backschl'isseln verfertigt. Auch werden die Roth-sichten zu dichtstebenden, unter der Scheere gehaltenen Hecken ver-wendet. Die Fichten dienen endlich zum Theil sogar als Futter,da das Rindvieh die jungen Fichtennadeln, welche noch nicht zu sehrausgewachsen sind, gerne frißt und die Kühe viel Milch daraufgeben. Fichtensprossen, klein gehackt und 24 Stunden in Wassergelegt, damit sich die harzigen Theile herausziehen, werden in Ruß-land den Pferden gefüttert, und sie sind ihnen sehr gesund. DerFutterwerth der Fichtensprossen soll sich zum Heuwerthe stellen wie87 : 100.

Zu den Feinden der Rothsichtcn gehören, wenn die Pflanzennoch jung sind: Wildprct, Weidevieh und der Rüsselkäfer; älternStämmchen schaden mancherlei Insekten, gegen welche man keinSchutzmittel hat. Das Eichhörnchen, der Kreuzschnabel und zuweilenauch Dohlen und Schildkrähcn schaden öfters dadurch, daß dieseThiere vom Spätherbst bis ins Frühjahr die schwachen Aesteben ab-reißen, welche man dann oft haufenweise unter Haubaren Stämmenfindet. Jene Thiere reißen eigentlich nur solche Zweigspitzen ab,welche männliche Blüthenknosven an sich tragen, von welchen dieseThiere im Winter größtentheils sich nähren.- Zu den Krankheitengehören die sehr häufig vorkommende Kernfäule und die Trockniß.Das Fichtenharz wird in der Thierheilkunde als urintreibendes, sel-tener als den AuSwurf beförderndes Mittel gebraucht. Zu ersteremZwecke darf es nur bei asthem'schen Krankheiten, bei denen eine ver-mehrte Harnsecretion zweckmäßig erscheint, z. B. bei veralteter Druse,dergleichen Rheumatismus, bei Äedomatösen, Anschwellungen, bei Bauch-wassersucht, bei Maucke und Räude u. s. w. angewendet werden.Behufs des anderen Zweckes ist es bei veralteten Krankheiten, asthe-nischen Charakters der Schleimhäute und Respirationsorgane, z. B.bei schleimigem Dampf, zu benutzen, wo es aber durch wirksamereMittel ersetzt werden kann. Die Gabe ist für Pferde und Rinder^ bis 2 Unzen, für Hunde ^ Scrupel bis 2 Drachma, für Schafe,Schweine, Ziegen 1 Drachma bis ^ Unze. Aeußerlich wird das Harzfür sich allein fast gar nicht angewendet, sondern dient nur in Ver-bindung mit Fett, Wachs, Talg und dergl. zur Bereitung gelindreizender Salben.

Die Fichtensprossen sind obigem Mittel ähnlich, sie wirken aberflüchtig reizender. Dr. Hertwig empfiehlt sie vorzüglich im zweitenStadium der chronischen Lunzenseuche beim Rindvieh, in Gaben von1 bis 4 Unzen.

Aer Flachs oder Lknnii»

Gehört in die 5te Ordnung der 5ten Klasse. GattungSkenn-zeichen: Ein fünfblättrigcr Kelch; eine fünfblättrige Blumenkrone;fünfschalige Saamenkapseln, welche in jedem ihrer 10 Fächer eineneinzelnen Saamen enthalten.