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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Flachs oder -ein.

dann ist sie in ihrer Wirkung der Thauröste gleich und mik kei-nem Nachtheile weder für die Atmosphäre, noch für daS Wasserselbst verbunden. Das Merkmal der Vollendung der Roste ist, daßder getrocknete Stengel beim Zerknicken und Reiben in der Hand,mit Aussonderung einer pulverförmigen Substanz, die reine glänzendeFaser leicht von sich giebt. Um im fließenden Wasser die Rösteauch ohne Nachtheil für die in demselben enthaltenen Fische vorneh-men zu können und zugleich der Gefahr der Fäulniß des Flachsesradical vorzubeugen, empfiehlt sich folgende Borrichtung: Man lassesich aus hölzernen Balken einen vierkantigen Ständer bauen, dessenPfähle auf dem Grunde des Wassers befestigt sind. Sein Durch-messer kann 5 6 Fuß betragen, seine Tiefe sei der des Stromesangemessen, die vier Grundpfeiler seien durch Querbalken fest ver-bunden. In diesen Behälter paßt man einen aus Stricken oder Wei-denstäben geflochtenen Korb oder eine Trift, deren Höhe und Weiteso groß ist, daß sie angefüllt in jenen Behälter bequem hinabgelassenwerden kann. Sollen nun die Flachsstengel zum Rösten vorbereitetwerden, so werden sie ganz locker in dünne Bündel vertheilt unddiese in dem Korbe (der Trift) gehörig über einander gelagert, wor-auf die damit beladcne Tritt nun in den im Wasser stellendenBehälter eingesenkt wird. So vorgerichtet, bleibt nun das Ganzesich selbst überlassen; nach Beendigung der ersten 5 oder 6 Tagenimmt man täglich ein Bund heraus, trocknet solches und untersuchtden Zcitigungsgrad der Stengel auf oben angegebene Weise. Willman bei Mangel an fließendem Wasser dennoch die Wasserröste an-wenden, so begnüge man sich den zu röstenden Flachs bloß allabend-lich im Wasser einzutauchen und dann auf dem Felde, am bestenauf einem beraicten, dünn auszulegen, oder auch zu stürzen, wie sol-ches sonst bei der gewöhnlichen Thauröste üblich ist. Diese, die be-kanntlich darin besteht, daß man den gerauften Flachs, nachdem sol-cher abgerüffclt, auf ein leeres Stoppelfeld oder auf einen sonnigenGrasplatz ausbreitet, wird zwar um so schneller vollendet, je längerlie Feuchtigkeit auf dem gewählten Standorte anbält; indessen isteine zu feuchte Lage, z. B. auf Wiesengrund, nicht zu empfehlen,weil hier die Faser sehr oft eine gelbrothe, schwer durch das Bleichenwieder zu entfernende Farbe annimmt. Der Wasserröste folgt inNorddeutschland immer noch die Thamöste, doch dauert diese nur 10bis 14 Tage. Ist der geröstete Flachs trocken eingebündelt, somuß er gedörrt werden, um den Bast und den verhärteten Firnißbrüchig und zerreibbar zu machen. Gottlob ist die Gewohnheit, denFlachs in Backöfen abzudörren, in vielen Gegenden unseres Bater-landes bereits abgeschafft, und man bedient sich dazu häufig schoneines eigenen Qfens, dessen Heizgrad nicht die Temperatur von40^ Reaumur übersteigen darf. Nach dem Dörren folgen die Ar-beiten dcS Klopfens (Backens) und Brechens, um diemürbe gemachten Substanzen des Bastes und des KleberS von derFaser zu trennen und solche zur Aussonderung vorzubereiten. DasKlopfen geschieht gemeiniglich mitte.st eines hölzernen Schlägels auf