Flachs oder Lein.
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einer harten Unterlage. Eine bessere Methode besteht darin, daßman die Stengel zwischen zwei sich über einander hin bewegendengezähnten Walzen, deren Zähne ineinander greifen, hingleiten läßt.Diese Walzen sind von gegessenem Eisen; die Bewegung derselbenübereinander geschieht mittelst einer Kurbel, sie kann durch Menschcn-so wie durch Thierkraft verrichtet werden. Dieses letztere Verfahrenvereinigt das Quetschen und das Drecken mit einander, zu welchemletztem Geschäfte man sich in Deutschland noch meistentheils derbekannten Handbrechen bedient, so unvollkommen diese auch sind,und so viel Mühe auch mehrere Männer, namentlich H. Schubarth,sich gegeben haben, das Verfahren durch Anwendung von Maschinen,die wohlfeile Handarbeit und Mangel an Kapital noch lange nichtzum Gemeingut machen werden, zu vervollkommnen. Der gebrocheneFlachs wird, Debufs der völligen Absonderung der Scbävcn, ge-schwungen, d. h. mittelst elastischer Holzstäbe so oft in die Luft ge-schwungen, bis die Faser rein zurückbleibt. Das dann erfolgendeHecheln bezweckt die Trennung der länger» Fasern von den kürzern,wovon die allerkürzesten zuletzt als Werg übrig bleiben. Das be-kannte Instrument, dessen man sich bedient, erfüllt den Zweck amvollkommensten, wenn es statt ppramidalisch geformte; konische Stiftehat. Es giebt eben sowohl Schwing- als Hechelmaschinen, wovondie vom Herzog Bernhard von Weimar von Amerika nachDeutschland verpflanzte sich ganz vorzüglich auszeichnen soll.Eine Abzeichnung und Beschreibung derselben, so wie gründliche Nach-richten über den dermaligen Stand des Flachsmaschinenwesens findetman im ersten Bande des von Schubarth und Schweizer redigirten»Landw. Universalblatts.«*) Eine Veredlung des fertigen Flach-ses kann nach dem Vertrauen einflößenden Urtheile deS verstorbenenHcrmbstaedt am vortheilhaftestcn folgendermaaßen bewerkstelligt wer-den. Man schichtet die Bündel kreuzweise übereinander in einerhölzernen Bütte mit doppeltem Boden. Der zweite durchlöcherteBoden befindet sich in einem Abstände von 4 Zoll über dem wah-ren Boden entkernt. Ist die Bütte mit dem Material angefüllt, sowird reines Flußwasser darauf gegossen, bis solches darüber stelzt,und damit 24 Stunden lang ruhig stehen gelassen, worauf mittelsteines am Boden der Bütte placirten Zavfens die Flüssigkeit abge-lassen wird, die ganz dunkelbraun abfließt. Dieselbe Arbeit wirdmit frischem Wasser noch drei- bis viermal wiederholt, oder so oft,bis daS Wasser meist farblos abfließt. Jetzt wird die Oberflächedes Materials, für jede 100 Pfund desselben, mit 2 Pfund Potascheund 2 Pfund grüner Seife, die vorher mit heißem Wasser aufgelöstwoiden, übergössen, sodann aber bis zum Bedecken der Faser dieganze Bütte mit siedend heißem Flußwasser angefüllt, dann zugedecktund 24 Stunden lang damit in Ruhe gelassen. Die Flüssigkeit
*) Bergle'che über diesen Artikel besonders die Abhandlung des Pros. Kbnkgim 2. Bande der Land- und Forstwirthschaft, Zeitschrift von Sprengel;Antu 6's Oekonom. Neuigkeiten, Jahrgang 1832; Potsdamer Annalen»v. Jahrg.; Schubarlh's Bau der Fcldfrüchte in Putsche'« Encyclopädie.