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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Gerste.

Angestrengte Forschungen haben ergeben, daß die Raupe, welche denGerstenhalm auffrißt, zu den in und an den Halmen grasartigerGewächse lebenden Pbalänen gerechnet werden durfte, und daß diefrüher wohl für die Gcrstevcrwüster ausgegebenen Ickneumonen, derenLarven man im ausgehöhlten Halme der kranken Pflanzen gefunden,im Gegentheil ein höchst wohlthätiges Mittel der Natur sind, dieRaupen zu vertilgen. Alle bisherige Wahrnehmungen bestätigen daSfür uns nicht angenehme Resultat, daß durch menschliche Kunst hierschwerlich etwas auszurichten ist. Der Rost der Gerste scheinteine dem Brand des Weizens entsprechende Krankheit zu sein.

Einhoff fand in dem Rost der Gerste kein Stärkemehl, sonderneinen vorzüglich aus Kohle bestehenden Stoff mit einer thierischenMaterie und etwas Phospborsäure; im befeuchteten Zustand wurdedadurch Lackmuspapier etwas geröthet. Ein zeitiges Mähen derGeiste, in ihrer Gelbreife, kann ich sowohl hinsichtlich des mindernKörnerverlustes als der verbesserten Farbe des Korns und auch derhöbern Schmackhaftiqkeit des Strohes nicht aennq empfehlen. DieseGetreideart aber jemals, selbst in der mißlichsten Erndtewitterung,naß zusammenzubinden was man wohl hat anrathen wollenmöchte ich als den allernächsten Weg zu ihrem Verderben bezeichnen.Sie kann 8 Tage auf dem Schwaden liegen bleiben. Ein trockenesZusammenbinden ist dann, wie gesagt, oonrlitio sin<? gua non.Werden die Garben späterhin total durchnäßt, so wird allerdings insehr nassen Erndtejahren das Niederlegen und Kehren derselben ge-gen Wind und Sonne ein Verfahren, daS schon bei günstigeremWetter bedeutenden Körnerverlust nach sich zieht sehr mißlichsein. Wir haben selbst es unter solchen Umständen am zweckmäßig-sten erprobt, die Garben wieder zu lösen, solche in weiter Entfernungvon einander gleichmäßig mit den Aehren oder mit dem Stoppel-ende gegen die Sonne oder den Wind zu legen, und dann mehr-mals mit der gehörigen Vorsicht zu kehren. Begünstigt der HimmelEinen nur 2 Tage, so wird man auf dem schnellsten Wege gesundeGerste (d. b. durchaus trockene, denn feucht eingescbeuerte nimmteine rothe Farbe an) einbergen. Die an vielen Orten noch seltenvorkommende Anwendung von Strohbändern ist besonders bei demBinden aller Gerste zu emvfeblen, weil das völlig trocken gewordeneStroh dieser Getreideart leicht bricht und die an den Bändern vorneigenen Strebe befindlichen Körner verloren geben. Wenn die Ar-beit rasch gefördert werden soll, ist ein unaufhörliches Reißen derBänder und ein Umherstreuen der eingebundenen Hglme beim Auf-laden unvermeidlich; eben so verursacht das Abstechen eine großeZögerung, wenn die in ihr eigenes Stroh gebundenen Garben beijedem heftigern Forken- (Gabel-) Stiche auseinander fallen.

Wo irgend Vorrath von gutem Roggenstrohe es erlaubt, solltedie Anfertigung von Garbcnbändern auS demselben nie unterlassenwerden. Es versteht sich nur, daß das Geschäft unter guter Aufsichtvor sich gehe. Ueber den Ertrag der Gerste mögen hier die fol-genden von Schmerz zusammengestellten Notizen folgen: