Buch 
Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
Entstehung
Seite
95
JPEG-Download
 

Gerste.

95

welche füglich noch in der ersten Hälfte des Juni gesäet werden kann,angemessener sein. Die Saatzeit hangt von der Verfassung desAckers, von der Witterung und der Gersteart, die man baut, ab.Je zeitiger man säen kann, desto reichlicher wird man im Allgemei-nen erndten. Im Elsaß, in der Pfalz säet man womöglichschon im Hornung, und macht sich nichts aus dem Einschmieren derSaat. Klima und Bodenbeschaffenheit rechtfertigen hier, was imnordöstlichen Deutschland als Prognosticum des Mißlingens gilt. Eben so dependirt die Stärke der Aussaat von mitwirkendenUmständen, namentlich der Kraft des Bodens und seiner Vorberei-tung. Im Ganzen nimmt man ein Drittel Gerste mehr, als manWeizen nehmen würde. Unglaublich sind die Vortheile eines geschick-ten Einbringens der Saat, welches auf allem leichten Boden, so wiebei anhaltend trockener Witterung mit dem Pfluge geschehen kann.Auf welche Art man es aber auch verrichtet Flachheit ist dabeidie Hauptsache. Der Erstirpator ist dazu ein unübertreffliches In-strument. In steinfreicm, ebenem, lockerem, schwarzen Boden mußdie Erdbedeckung damit möglichst der Arbeit des Harkens in ihrerWirkung ähneln. Mehrjährige Wahrnehmungen haben mich belehrt,sagt von Lengerke, daß meine frühere Vorschrift, die Gerste 2 Zolltief unterzuhacken, das Saamenkorn noch vergraben beißt, wäbrendbei flacherer Bedeckung Wurzel und Stengel sofort freudig aus demin der Oberfläche liegenden Keim hinunter- und herausschießen, dasKorn mehrere und stärkere Schößlinge treibt und reichere Achrenbildet. Nach der neuesten Wiederholung mehrjähriger Versuche istin Flottb eck dos 3 Zoll tief liegende, obgleich sorgfältig nur mitlockerer Erde bedeckte Korn gar nicht aufgekommen. Das mit 2 Zollbedeckte erschien viel später, hatte sich mühsam an die Oberflächehingearbeitet, bildete da einen Knoten, aus welchem schwache Wur-zelchen und spärliche Schößlinge trieben, auf welchen unvollkommeneAehren gebildet wurden. Bei aufmerksamerer Beobachtung würdemancher Landwirth, der sein Sommerkorn, ohne tieferes Nachdenken,mit dem Pfluge oder Hacken gleichsam untergräbt, die Ursache desUnsegens, welcher auf feinen, dünn stehenden, zum Tbeil nur Scbmacht-ähren producirenden Gersteäckern haftet, leicht ergründen können.

In manchen Gegenden, z. B. in Holstein, pflegt man dasGerstcnfeld, wenn die Saat zu keimen beginnt, abzueggen; in andernist das Walzen der Gerste gleich nach beschaffter Saat gebräuchlich.Ersteres Verfahren ist dort, wo Wurzel- und Saamenkräuter üppigvegetiren, sehr gerathen; wo Hederich und Klavperkraut überbandnehmen, muß gejätet werden; letztere Methode paßt nur auf leichtemBoden. Allgemein anwendbarer ist das Blattwalzen, wenn dieGerste Zoll über der Erde ist. Hat man die Aussaat des Klees

unter die Gerste bis jetzt verschoben, so findet sie vor diesem Walzennoch einen trefflichen Zeitpunkt; denn der junge Klee, dem so leichtdie Dürre im Juni schadet, genießt bei seinem Aufgehen unter demGersteblatte Schutz gegen die Sonnenhitze. > Eine häufig beobach-tete Krankheit dieser Gctrcideart ist die sogenannte Puppengerste.