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tGräsrr.
Nach Waldinger sollen Pferdehändler die Gerste anwenden, umPferde bald dickleibig zu machen; sie nehmen Gerstenschrot, bearbeitendasselbe mit vielem Wasser, feigen dann nach ^ Stunde das aufge-löste Stärkemehl ab und geben es als Trank, das übrige gröbereaber mit Häcksel gemengt zu Futter. Füllen sollen bei GerstfütterungEingeweidewürmer und Pferde, mit gequellter Gerste gefüttert, Anlagezum Dummkoller bekommen. Dem übrigen Viehe ist sie in jederForm ein gesundes Futter.
Als Arzneimittel wird die Gerste blos zu Dampf- und Dunst-bädern benutzt, z. B. im ersten Grade der Krankheiten: Druse,Strenge!, Bräune und Lungencatarrh. Kerstenmalz ist bei Durch,fällen, welche nicht mehr mit vermehrter Reizbarkeit verbunden sind,ein sehr gutes Mittel. So auch bei der Fäule und Lungenwürmernder Schafe, wenn das Uebel noch nicht zu weil gediehen ist, ganzvorzüglich wirksam.
Gräser,
nennt man eigentlich alle diejenigen Gewächse, welche dem Landwirtheentweder durch ihren Saamen oder auch durch ihre Stengel undBlätter den größten Nutzen gewähren, und deshalb ein HauptgegenstanddeS Anbaues sind. Die Gräser schaffen ihm und seinen HaustbierenNahrung, seine Handelsartikel sind meistens die Saamen oder Körnerderselben; Bierbrauerei und Branntweinbrennerei beruhen größtenthcilsauf den grasartigen Gewächsen. — Die Wurzeln der Gräser beste-hen in der Regel aus feinern oder gröbcrn Fasern, welche haufen-weise bei einander sind, und sich so dicht verschlingen, daß sie einfestes, lockeres Gewebe bilden, welches man die Gras-, Rasen-Narbenennt. In den meisten Fällen sterben die Wurzeln jährlich ab, wer-den aber durch den untern Theil des Halms bei einigen wieder er-setzt; andere sind ausdauernd. Der Stengel, Halm (dulmug) istgewöhnlich hohl, zuweilen mit einem lockern Marke erfüllt, in glied-förmige Absätze getheilt, welche durch Koten geschieden werden, baldrund, bald Halbrund, zusammengedrückt, drei- oder viereckig, und anmehreren Stellen durch die Mattscheibe (vsAina) umhüllt. Der un-tere Theil des Halms bildet den eigentlichen Körper der Gräser; erbleibt bei den ausdauernden unzerstört, während der obere Theil, dereigentliche Grashalm, jährlich abstirbt. Durch diesen untern Theildes Halmes vermehren sich die Gräser beinahe mehr als durch dieSaamen, die sie ansetzen, indem hier jährlich neue Triebe hervordrin-gen, welche sich zu allen Seiten ausdehnen und den sogenanntenRasen bilden; oft verlängern sie sich über oder unter der Erde durchAusläufer, Rasenläufer oder Sprossen, wie z. B. bei der Queke unddem Windhalm. Die Blätter sind bei allen Gräsern sitzend (unge-stielt) ihre Länge übertrifft immer ihre Breite; sie sind band- undpfriemenförmig, und ihr unterer, den Halm umschließender Theilbildet die Blattscheide.
Die Blüthen der Gräser erscheinen in Form einer Rispe, einerTraube, einer Aehre und Dolde. Die BesruchtungSgcfäße sind