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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Hafer.

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durch dieses Walzen namentlich das Bestocken des Hafers und ver-hindert das allzuschnclle Schossen bei warmer Witterung, indem durchdas Niederdrücken das Streben der Pflanzen nach der Höhe ver-mindert, das Ausbreiten nach der Seite aber vermehrt wird. Manwalzt nicht nur in dem mehr leichten Boden, sondern auch in demmehr bindigen, nimmt es aber nur bei trockner Witterung vor undbei einem trocknen Zustande des Bodens, und wählt dazu im leich-tern Boden leichtere, im schweren Boden schwerere Walzen. Unterden Unkräutern ist der Hederich ein besonderer Feind des Hafers.Trifft man es mit dem Eggen, wo es in Anwendung kommen soll,so glücklich, daß derselbe sein erstes Saamenblättchen entwickelt hat,so vertilgt man ihn größtentheils, ist er aber mehr herangewachsen,so eggt man eher den Hafer, als ihn, aus. Man hat zur Vertil-gung deS Hederichs versucht, den Hafer, wenn er einen Finger langwar, unterzupflügen, damit er von frischem ausschlage, jedoch nurmit einem wechselnden Erfolge. Eben so ist das Abmähen des Ha-fers mit dem Hederich Einigen geglückt, Andern nicht. Endlich hatman noch vorgeschlagen, den Hederich erst dann abzumähen, wenner in Blüthe steht, was aber in einer gewissen Höhe, so daß derSchoß des Hafers nicht mit erfaßt wird und überhaupt mit Vorsichtund Geschick vorgenommen werden muß. Man gewinnt hierbei al-lerdings namentlich den Vortheil, daß ein großer Theil dieses lästi-gen Unkrauts, zu Gunsten des Ackers, an der Saamenreife gehindertwird. Nächst dem Hederich schaden dem Hafer auch ganz beson-ders der Flug- oder Taubhafer und die Wucherblume; ersterermuß ausgejätet werden und die letztere kann, wenn sie in Mengevorhanden ist, nur durch öfteres Brachen des Bodens vertilgt wer.den. Zur Vertilgung dieser und anderer Unkräuter ist das besteMittel, den Acker vor Winter zuzurichten. Das Schröpfen des Ha-fers ist nur in sehr seltenen Fällen nöthig, weil derselbe weniger la-gert als anderes Getreide, dieses ihm weniger schadet, vielmehr erbei einem üppigen Blattorqane kräftiger wird, weil er sich dann umso mehr atmosphärische Nahrung aneignet. Der Hafer verträgt auchKälte und größere Nässe, leidet jedoch, wenn letztere sehr anhaltendist. Im Allgemeinen geräth der Hafer in feuchten, mäßig warmenJahren viel sicherer, als in trocknen und sehr warmen. Unter denKrankheiten, von denen der Hafer bisweilen befallen wird, ist derBrandruß die hauptsächlichste, und welche durch sorgfältige Auswahldes Saamens am besten zu vermeiden ist.

. Erndte. Die Erndte des Hafers fällt je nach seiner Saat-zeit bald früher, bald später. Bei zeitiger Saat erfolgt sie in wär-mcrn Gegenden oft schon zu Anfange des August, gewöhnlich aberim Laufe dieses Monats und im September. Da er gewöhnlichdoppelwüchsig ist, so nimmt man den Zeitpunkt der Reife der zuerstausgebildeten Saamcn, wenn diese die Mehrzahl bilden, wahr, dadie zuerst reifenden immer die vollkommensten sind. Bei einerUeberreife des Hafers fallen die Körner beim Erndtcn sehr ab, ja siewerden schon, nur völlig reif, vom Winde und durch starke Regen-