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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Hafer.,

güsse leicht auSgeschkagen. ES ist daher stets besser, lieber einigeTage zu früh, in der sogenannten Gelbreife, als nur einen Tag zuspät mit dem Einschnitt zu beginnen, was besonders bei großenWirthschaften, wo bedeutende Flächen abzuerndten sind, nie genugberücksichtigt und empfohlen werden kann. Nur selten erreicht derHafer eine solche Höhe, daß er angehauen werden muß, woher erdenn stets in Schwaden gehauen wird. Da der Hafer, wenn ergemähct wird, noch eine Menge unreifer Körner und grüner Halmeenthält, so muß er einige Zeit auf den Schwaden liegen, damit dieunvollkommenen Körner nachreifen, und die saftigen Halme gehörigaustrocknen. Sobald der Hafer aber gehörig abgetrocknet ist, mußman mit dem Aufbinden eilen, wenn man nickt großen Verlust anden vollkommensten Körnern erleiden will. Trifft den Hafer aufden Schwaden ein mäßiger Regen, so ist dies in sofern sehr erwünscht,weil er sich dann um so leichter ausdreschen läßt. Er muß aber indiesem Falle nach dem Abtrocknen schleunigst aufgebunden werden,weil er dann um so mehr abfällt. Eine sehr fehlerhafte Methodeist es, den Hafer in Schwaden rösten zu lassen, damit er sich umso leichter ausdreschen lasse. Man verliert aber nickt nur dann dievollkommensten Körner, sondern verdirbt auch das Stroh. DerjenigeHafer, der zwar trocken eingebracht, aber nicht lange auf den Schwa-den gelegen hat, läßt sich allerdings nur schwer dreschen, und vieleder unvollständigen Körner sind aar nicht auszubringen; allein esist doch besser, daß man die vollständigsten Körner erhält, währenddie im Stroh sitzen gebliebenen unvollkommenen dasselbe um so nahr-hafter machen und dem Biehe zu gute kommen. Um das Rösteneinigermaßen zu ersehen und das Ausdreschen der Körner zu erleich-tern, kann man die Rispen desselben in der Banse lagenweise ein-gießcn, d. h. mit etwas Wasser besprengen, waS von der durch dasfeste Einschichten erzeugten Wärme bald wieder trocknet, und wovonder Hafer sich nachher leichter drischt. Es ist daher beim Hafer ganzbesonders zu empfehlen, denselben bald nach dem Maden aufzubinden, ihnin Reaenmandeln zu setzen und ihn in diesen bis zum Einfahren zu lassen.

Ertrag. Der Körnerertrag des Hafer? ist, da man ihm sosehr verschiedenen Boden anweist, bald sehr hoch, bald sedr niedrig;einen nicht geringern Einfluß darauf hat aber auch die Kultur, diebald mit größerer, bald mit geringerer Sorgfalt stattfindet, so wieendlich die vielerlei Arten des Hafer, von denen die eine medr, dieandere weniger ergiebig ist. In trocknen Jahren schlägt er oft gänz-lich zurück; am besten gedeiht er in mäßig feuchten und warmenJahrgängen. Der Erfolg wechselt hiernach von 4 preuß. Scheffeln hommagdeb. Morgen bis zu 30 Scheffeln und darüber. Als einen Mittel-ertrag wird man, wenn der Boden nicht zu sehr entkräftet ist, und der Ha-fer zur vierten Tragt nach einer Düngung gebaut wird, 15 Scheffel, wenner in die dritte Tragt kommt, 20 Scheffel annehmen können. Der Schef-fel wiegt im Durchschnitt 50 Pfd., doch giebt es Haferarten, welche auchbis über 60 Pfd. wie gen.') Noch ungewisser als der Ertrag von Körnern,') Siehe oben.