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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Wein, Weinrebe.

von Krankheit deS WeineS zeugen. Der rothe Wein nimmt hie»bei eine schwarze, der weiße eine fahlgclbliche Farbe an. Hierzukönnen eben sowohl große Hitze als große Kälte Anlaß geben.Bei ersterer gerät!) manchmal der Wein in so heftige Währung,daß er droht, die Dauben auseinander zu sprengen und man einLoch in den Boden bohren muß, um etwas davon heraus zu lassen,auch das Spundloch öffnen. Bei einer solchen Währung wird derWein gewöhnlich schwarz und trübe und nimmt den sogenanntenTrieb- oder Hitzgeschmack an. Daö einfachste Mittel hiergegen ist,den Wein in ein anderes stark geschwefeltes Faß abzuziehen undin einen kühlen Keller zu bringen. Hilft dies nicht, so muß manihn überschwefcln und stumm machen. Einige Tage später ziehtman ihn vom Lager ab und klärt ihn. Sonst sucht man rothemWein, der seine Kraft und Farbe verloren hat, beide durch Vermi-schung mit einem jungen dunkelgefärbtcn wiederzugeben. Zuweilenentsteht bei rothen Weinen Trübung mit veilchenblauer oder schwar-zer Farbe durch Zersetzung des Weinsteines. Hierbei zieht manden Wein auf ein gesundes Faß ab und setzt so viel Weinstein-säure (x bis 1 Loth auf 1 wiener Eimer) zu, als zur SättigungdeS aus dem Weinstein kohlensauer gewordenen Kali nöthig ist.Wenn neuer blanker Wein weiße Flecke bekommt, während er nochauf seiner Hefe liegt, so kehrt man, wenn sich sein Geschmack nichtgeändert hat, das Faß mit dem Spunde nach unten, so daß dieHefe beim Umwälzen die ganze Flüssigkeit durchstreift, wiederholtdies einige Tage, läßt ihn dann ruhen, bis er sich wieder aufge-hellt hat und zreht ihn dann in ein anderes gut geschwefeltes Faßab. Ist der blanke Wein nur sehr schwach gefleckt und ohne Ge-schmackveränderung, so kläre man ihn mir Milch und Eiweiß, zieheihn nach einigen Tagen auf Flaschen ab und trinke ihn bald weg.Auch der Gypsalabaster wird gegen die gelben Flecke im Weinegerühmt. Man wirst davon 10 bis 12 Loth in ein Faß, rührt5 bis 6 Minuten lang stark um und spundet dann daö Faß zu.Manchmal nimmt lange auf einem Fasse gelegener Wein beim Um-füllen in andere Fässer nach einigen Tagen eine schwärzliche Farbean. Dieser Fall tritt ein, wenn derselbe in einem Fasse gelegenhat, in welchem die eiserne Schraube deS ThürchcnS nicht gehöriggegen die unmittelbare Berührung deS Weines verwahrt war, sodaß sich etwas Eisen auflösen konnte. Zur Wiederherstellung dientlängeres Ablagern, mehrfaches, mit dünnem Strahle vollzogenesAblassen und zuletzt eine Schönung mit Hausenblasc.

Frost deS WeinS. Wenn der Wein einer starken Kälteausgesetzt wird, so gefriert das Wasser mit wenigen Geistigen theil-weise heraus, während ein starker Wein zurückbleibt. Dies ist eisMittel, Wein ohne Verlust seiner andcrwciten guten Eigenschaftengeistreicher zu machen, obschon mit Verlust an der Menge. Mähmuß daher das Eis von dem Weine absondern, ehe cS wieder aus-thaut, weil man, wenn das Wasser durch daö Aufthaucn sich wie-der mit dem Weine vermischt, ein schlechteres Getränk als vorher