Buch 
Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
Entstehung
Seite
449
JPEG-Download
 

Wein, Weinrebe.

449

erhält, welches sich überhaupt nun nicht mehr lange hält; rotherWein wird dabei trübe und entfärbt sich. Mau muß ihn in die-sem Falle in ein stark geschwefeltes Faß abziehen, 1 Maaß Wein-geist auf 240 Maaß dazu schütten und das Faß gut zuspunden.Nach einigen Tagen klärt man ihn und füllt ihn auf Flaschen.Geschmack (unangenehmer) insbesondere Faßgeschmack, von! dumpfigen, schimmeligen oder sonst unreinen Fässern herrührend.

! Ist er nur gering, so genügt cS, den Wein auf ein neues Faß ab-i zuziehen und gut zu sebwcfcln, oder ihn auf neuen Wein, auf guteWeinbefc, auf ein Faß, das Weinstein von jungem Weine hat,abzuziehen. Feine Weine, deren Blume durch diese Vermischungverloren gehen würde, klärt man am besten mit Eiweiß oder mitGallerte und zieht sie nach 1 Monat ab. Ein sicheres Mittel istauch Schütteln des Weins mit Olivenöl, oder noch besser durchsei-hen durch einen mit Oel getränkten Filtrirbeutcl, wobei jedoch frei-lich auch das Bouguct des Wcinö völlig verloren geht. Ein star-ker Faßgcschmack ist übrigens selten ganz mehr zu vertreiben.

Ferner empfiehlt man als untrüglich gegen den Faßgcschmackfolgendes Mittel: Man schütte 2 Pfund Kassvnade oder Zucker in12 bis 15 Maaß des kranken Weins über Feuer zerlassen, ganzsiedend in den auf ein neues Faß abgezogenen Wein (210 bis 230Maaß) und spunde das Faß nicht zu. Der Wein wird nun ineine starke Gährung gerathen, nach der man abzieht und mit einerstarken Portion Eiweiß oder Hauscnblafe klärt. Ebenso kann durcheine neue Gährung auch der dem Wein bei Fcuersbrünstcn zuge-gangener Rauchgcschmack entfernt werden. Ferner wird empfohlen,aus 240 Maaß des aus ein anderes Faß abgezogenen Weines 13;Maaß Kalkwasscr zuzufügen und das Faß während zwei Wo-chen ungefähr einmal des Tages umzuwälzen. Ferner: Manhängt eine mit kreuzwcisen Einschnitten versehene Quitte an einemFaden so in das Faß, daß sie die Oberfläche des Weines nur et-was berührt, und läßt sie längere Zeit hängen. Man schließt das! Spundloch mit der Krume von ganz heißem Gerstenbrodtc, frischwie cS aus dem Ofen kommt und erneuert sie, so oft sie erkaltet.Man läßt 4 Loth gestoßene Pfirsichkernc ungefähr 14 Tage imWeine liegen. Der Anwendung aller dieser Mittel muß stets einAbziehen des Weines auf ein gesundes Faß vorangehen.

Hat der Wein einen Geschmack nach den Bütten angenommen,1° muß man ihn durch Schönen und Vermischen mit anderem Weine"och brauchbar zu machen suchen. Ein Geschmack nach den Käm-men des Weines, durch zu langes Stehenlassen des Mostes auf°cn Träbern erzeugt, verliert sich mit der Zeit durch Ablagerung,^ocr kann, wenn dies zu lange währt, durch ein- oder mehrmaligeSchonung mit Rindsblut, Leim oder Galatine beseitigt werden,^er Geschmack von gedüngtem Boden verliert sich durch Zusatzgutem Wciir, durch neue Gährung mit einem süßen Körper,.Urch Klaren und öfteres Abziehen. Kahn, eine Art Schimmel," der Vorbote des Sauerwerdens, und entsteht hauptsächlich durch

29