Buch 
Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
Entstehung
Seite
458
JPEG-Download
 

458

Wein, Weinrebe.

her und spundet es alsdann sorgfältig wieder zu. Die Kohle kann e

tn dem Fasse bleiben, da sie dem Weine keinen Nachtheil bringt. <

Zieht man nach einiger Zeit, wahrend man inzwischen das Umrüt- s

teln wiederholt hat, den Wein ab, so wird er entfärbt herauslaufen. <

Nun wäre noch das Trinken der Weine zu besprechen; ich f

werde dies aber nicht thun, denn das werden viele meiner Herren ,

Leser besser verstehen als ich. Im Allgemeinen empfehle ich einem ,

Jeden 1) nur gute Weine und 2) stets mit Ucbcrlegung zu trinken, ;

auch, wenn er des Weines genießen will, alle äußeren Eindrücke <

von sich fern zu halten; so wird man wissen, was man trinkt und ;

sich deö Weines erfreuen. ,

Aufwand und Erträge beim Weinbau. ^

Nachfolgende Berechnungen*) gründen sich auf die Erfahrung, >

daß im Durchschnitt die Hälfte eines Weinguts aus vollkommenen >

und im tragbaren Stande sich befindenden Weinbergen bestehe, oder ^

mcistentheilö dafür angenommen werden könne, die andere Hälfte' aber theils abgängige, zum Aushauen bestimmte Weinberge, theils!ausgehauene und zum Anrollen schon vorgesehene WeinbcrgSfelder jund theils Rätter von verschiedenem Alter enthalte, welche letztereHälfte deö Weinguts, namentlich Rätter und Weinberge zu ^ oder^75 deö ganzen Weingutes als vollkommen tragbar gerechnet wer-den kann. In dieser Beziehung wären im Durchschnitt ^ einesWeinguts als im vollkommen tragbaren Stande zu betrachten.

In 42 Jahren können nur 14 vollkommene Herbste angenom-men werden, mithin ist auf 3 Jahre ein vollkommener Herbst, oderfür jedes Jahr ein Dritthcil eines guten Herbstes im Durchschnittzu rechnen.

Da nun sowohl die Erträge als auch die Güte deS Weinseiner jeden Lage von einem vollkommenen Herbste leicht auözumit-teln sind, besonders weil man hier blos tragbare Weinberge anzu-nehmen hat, so läßt sich nach diesem Maaßstabe der Ertrag eineS 'Weingutes ziemlich genau berechnen und dessen Ncrwcrthung nachdem Herbstpreise auSmitteln.

Das zu berechnende Gut liegt in der Provinz Rheinhessen, istvon mittlerer Güte, enthält 15 Morgen, nebst den zu einem solchenWcingute nach Verhältniß erforderlichen Gebäuden. Sie bestehenin einem Kclterhause, Keller für 15 bis 20 Stück Wein und deindazu erforderlichen geschlossenen Hofraum. Boden und Lage sindvon einerlei Qualität. Ersterer enthält Lehm mit etwas KieS, Let-ten und Kalk vermischt, weßhalb alle Traubcnsorren in solchem Bo-den gedeihen, besonders da dessen Lage südlich ist. Die Traubcn-sortcn bestehen zur Hälfte aus Riesling, mit etwas Traminer undRolländcr vermischt, und zur Hälfte auS Ocsterreicher und Klein-bcrgcr Stöcken. Wir nehmen zugleich an, daß dasselbe schon län^gere Zeit regelmäßig gebaut worden ist. Da daö Alter diest»

*) Es ist unterlassen worden, in den Berechnungen eine Reduktion desdes vorzunehmen, da sie, wie andere ähnliche, aus Originalqucllen 3 'schöpft sind.