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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Weizen.

den Roggen nicht deckt; nicht zu gedenken, daß der Ertrag desWeizens an Stroh in der Regel geringer ist, er auch häufig durchden Brand gefährdet ist.

Man nimmt die Grenze zwischen Roggen- und Wcizcnbodcnungefähr so an, daß der Boden, welcher über 55K Sand hat,nicht mehr so geeignet für den Weizen, als für den Roggen ist.ES kommt indessen bei solchem Boden auf seine Lage und auf an-dere Umstände an, besonders daß er sich gehörig feucht hält und !bei Trockenheit nicht lose wird, sondern noch immer einen gewissen !Schluß behält. Hat er eine feuchte Lage, so kann er bei 60 und !65K Sand noch sicherer für Weizen, als für Roggen sein. Wennder Boden aus feinen Bestandtheilen besteht, vermöge deren er sichfester zusammensetzt, wenn er ferner Feuchtigkeit genug enthält undauch das Klima erforderlich feucht ist, so findet der Weizen nichtselten ein eben so gutes Gedeihen, wie in einem thonigcn Boden,und verhälmißmäßig ein besseres, als der Roggen.

In England, aber auch in andern Gegenden, wo daS Klimamehr feucht ist, wird der Weizen mit Vortheil in Boden gebaut,den man in andern Gegenden selbst für die Sommergerste zu losehalten würde. Je trockener und windiger daö Klima an und für sichist, und je weniger feucht die Lage ist, desto gebundener muß der Boden ^fein, wenn man mit Erfolg Weizen bauen will. Zwar kann man durchdie Art der Zurichtung, besonders durch die häufigere Anwendungschwerer Walzen, den Boden geeigneter für den Weizen machen, dochbleibt sein Ertrag immer ungewisser und die Körner werden von gerin-gerer Qualität. Es giebt zwar Wcizenarten, die durch langjährigeAnsaat an einen trockeneren Boden und ein trockeneres Klima ge-!wöhnt sind, sie haben aber meistens eine geringere Qualität, undwerden auf den Märkten um wohlfeilem Preis als andere gekauft.Obschon nun aber der Weizen einen mehr feuchten Boden siebt, soist ihm doch zu starke Nässe eben so wie stehendes Wasser nach-theilig, wenn auch niinder als dem Roggen, weil er der Gefahrdes AuöwinternS ausgesetzt ist. Indessen ist in dieser Beziehungeine Art empfindlicher als die andere, und man hat in den Marsch-gegenden Weizen, der einen so großen Grad von Nässe verträgt,daß dabei andere Arten unfehlbar auswintern würden. Ganz. vor-züglich sagt dem Weizen derjenige Boden zu, der bei einer gerin-gern Zumischung von Sand luS Kalk enthält. Ein solcherBoden wird bei geringer Zurichtung mürbe und zerfallend, ohnejedoch seine Gebundenheit zu verlieren, und er wird gegen alle Ent-stehung der dem Weizen so »acbthciligcn Säure geschützt. Nächstallen diesen genannten Eigenschaften muß aber der Boden vornäm-sich sehr humusreich oder besonders kräftig durch wiederholte Dün-gung sein, wenn der Weizen gedeihen soll. In einem magern Bo-den kann man auch noch so stark düngen und kultiviren, man wirddoch nur eine geringe, in keinem Verhältnisse zum Mistaufwanv^stehende Erndte erzielen. Man nimmt daher mit Recht an, dasein Boden, wenn er auch sonst nach seinen Mischungsverhältnifse>>