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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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480
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Weizen.

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nicht gehörig gesetzten Lande säe man lieber einige Tage später.Wenn die Witterung im Herbste sehr trocken ist, und der Bodenviele Klöße bildet, welche weder Walze noch Egge zu zwingen ver-mag, so säe man lieber nicht und warte einen durchdringenden Re-gen ab, nach welchem die Klöße um so leichter gezwungen werdenkönnen. Wird daö Saamenkom des Weizens nicht gehörig mitErde bedeckt, so keimt es schwer, vermalzt zum Theil, oder der Keim, jdurch die oberflächliche Feuchtigkeit hervorgclockt, wird schwächlich, -vermag sich nicht in den harten Schollen einzuwurzeln, und gehtentweder bei der Turchwintcrung zu Grunde, oder giebt sehr schwäch-liche Pflanzen, die den Keim zum Brande schon in sich tragen.Aber auch in dem Falle, daß der Boden nicht sehr kloßig ist, er-scheint cS nicht räthlich, bei sehr trockener Witterung zu säen; dennobschon der Weizen daS Einschmieren nicht vertrügt, so ist ihm dochauch die zu trockene Einsaat nicht zuträglich. In manchen Gegen-den verschiebt man daher lieber die Saat des Weizens bis um einpaar Wochen gegen den gewöhnlichen Saattermin, als daß manbei sehr trockener Witterung säet. Die späte Saat ist zwar nichtselten ganz ausgezeichnet gerathen, indessen bleibt sie im Ganzendoch ungewiß. Es schadet zwar dem Weizen nicht, wenn er auchvor Winter nicht zum Vorschein gekommen ist, indessen lehrt dochdie Erfahrung im Allgemeinen, daß diejenigen Saaten, welche sichvor der Entwintcrung gehörig crkräftigt haben, nicht nur besserdurchwintern, sondern auch einen sicherern und großem Ertrag geben.

Rücksichtlich der Menge der Aussaat verhält sich wohl keineFrucht verschiedener, als der Weizen. Da er unter den Getreide-arten sich am meisten bestockt, so muß er auch vcrhältnißmäßig dün-ner gesäct werden. Indessen verhalten sich doch rücksichtlich derBestockung die verschiedenen Arten des Weizens sehr verschieden, sowie diese auch durch einen mehr oder weniger kräftigen Boden ver-mehrt oder vermindert wird. Hiernach ist aber auch der Weizen inBeziehung auf die Größe seiner Saamcn sehr verschieden. Ge-wöhnlich besitzen die großkörnigen Arten eine stärkere BestockungS- !fähigkcit, wennschon dies nicht ünmcr der Fall ist. Hiernach schwanktdenn daö Maaß der Aussaat auf den magdcb. Morgen von 12bis 22 preuß. Metzen, ja man findet eine noch stärkere, so wie einenoch schwächere Aussaat bei breitwürfigcr Saat. Im Allgemeinenist noch der Grundsatz zu beobachten, daß die zeitigere Saat etwasschwächer gemacht werden kann, die spätere etwas stärker eingebrachtwerden muß. Hauptsächlich ist aber auf die FrühjahröwltterungRücksicht zu nehmen. Da, wo scharfe Morgenwinde und späteFröste häufig vorkommen, muß immer auf ein größeres Saatquan--tun» gerechnet werden, als wo die Frühjahrswitterung günstiger ist.

Der Weizen verträgt selbst in dein bindigen Boden eine 3 Zollstarke Bedeckung, und je leichter der Boden »st, um so tiefer mußdie Bedeckung erfolgen. Man nimmt daher zum Unterbringen herWcizcnsaal schwerere Eggen als beim Roggen. Um Gleichmäßig-keit der Saat zu bewirken und den Stand derselben in Reihe» ^