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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Weizen.

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ausbildung gelangt, um so mehr unterliegt er Krankheiten. InWürmern Gegenden sei besser, zuerst Roggen und dann Weizenzu säen, in kälteren Gegenden umgekehrt. Andere stimmen dagegendurchaus für eine spätere Saat, indem sie es für das Gedeihendes Weizens durchaus nicht günstig halten, wenn er sich bei einerlange nach der Saat anhaltenden warmen Witterung vor der Ent-wintcrung zu sehr überwächft, und wohl gar, um Faulung zu ver-hüten, noch im Herbste geschröpft werden muß. Dergleichen Weizensoll sich weit leichter lagern und weniger und nicht so vollkommeneKörner geben. Auch behauptet man, daß in dem bindigen Bodendie spätere Saat besonders deshalb den Vorzug verdiene, weil derBoden in der späteren Jahreszeit feuchter sei, eine leichtere und voll-ständigere Unterbringung des Saamcns gestatte, wodurch eine tiefereEntwurzelung erfolge, die für den Weizen so nöthig sei, indem alleoberflächlich liegen gebliebenen Körner wegen schwacher Entwurze-lung schwache Pflanzen zur Folge hätten. Im Allgemeinen kannman wohl diejenige Saat des Weizens, welche vor der MitteSeptember und noch vor Michaelis eingebracht wird, eine zeitige,die nach Michaelis bis zum letzten Dnttheil des Oktobers einge-brachte eine mittlere, die später gesäete eine späte Saat nennen.Selten wird die Aussaat so zeitig erforderlich werden, daß mansie wird vor Michaelis machen müssen, und in solchen Gegendenwird der Bau des Weizens immer mißlich bleiben, indem der Triebder Pflanzen durch die zu spät eintretende Wärme im Frühjahreso sehr verzögert wird, daß man für die Reifung fürchten muß.Eine so zeitige Saat aber, ohne durch eine zeitige Einwinterungdazu veranlaßt zu werden, ist durchaus zu widerrathen, da bei gün-stiger Herbstwitterung, besonders in sehr reichem Boden, ein so star-kes Ueberwachsen der Pflanzen erfolgen würde, daß, wollte mandie Saat den Winter hindurch nicht der Gefahr der Faulung un-terwerfen, man dieselbe durchaus schröpfen müßte. DaS Ueber-wachsen sowohl als auch das Schröpfen dcS Weizens vor Win-ter kann sehr leicht eine Veranlassung zu einer fehlerhaften Beschaf-fenheit des Organismus der Pflanzen geben, woraus der Brandentsteht. Doch kann eS unter manchen Fällen gerathen sein, dieSaat kurz vor Michaelis, oder wenigstens Anfangs Oktober ein-zubringen, wenn nämlich ein Boden sehr geschlossen und kalt ist,rn welchem die Vegetation im Herbste zeitiger aufhört, im Früh-jahre aber, wegen späterer Durchwärmung durch die Sonirc, späterbeginnt, weil sonst die zur Ueberstcbung des Winters erforderlicheEinwurzelung nicht hinreichend erfolgt. Am häufigsten wird mantu Deutschland die mittlere Saat finden, die auch nach den mei-Wahrungen in den meisten Verhältnissen die passendste, ist.r "ber auch diese Saatperiode einen Zeitraum von mehr" ^ g lochen in sich begreift, so ist es nicht gleichgiltig, ob manAnfangs oder Ende dieser Periode säet. Der kundigere,nicht sehr thätige und wenig humusreiche Boden muß zeitiger, derlosere, thätigere, kraftvolle später besäet werden. Bei einem noch