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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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482
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zuzufügen, während doch die Erfahmng lehrt, daß cS dann diebeste Wirkung thut, wenn der Boden dadurch beinahe daS Ansetzneines frischbestellten bekommt. Denn wenn auch eine Menge Blät-ter abgerissen werden, die Pflanzenftöcke leiden nicht dabei, und derscheinbar ihnen zugefügte Nachtheil wird durch den erfolgenden umso kräftigern Auftrieb der Pflanzen überwogen. Wenn sich imFrühjahre keine Spur von Weizen zeigt, so wird er durch daSEggen bald hcrvorgelockt, und manche Saat, die sonst unrettbarverloren gewesen wäre, wird durch daö Eggen gerettet. Bei demuntergepflügten Weizen ist eine unumgängliche Bedingung seinesGerathcnS, daß er geeggt wird. Alan muß nach der Beschaffenheitund je nachdem der Boden durch die Witterung mehr oder wenigertrocken ist, mehr oder weniger Striche geben, immer muß es aberso stark erfolgen, daß der Acker überall mit frischer Krume bedecktist. Da, wo man den Weizen nicht durcheggt, wie in den Nieder-landen, pflegt man ihn im Frühjahre zu schleifen, um die kleinenSchollen, welche man beim Eineggen des Saamens zu erhaltengesucht hat, zu zertheilen, dadurch den Boden zu ebenen und denjungen Pflanzen frischen Grund zu geben. Wenn der Frost dieWcizenpflanzen aus dem Boden gehoben hat, so wendet man nichtdie Egge, sondern die Walze an.

Da der Weizen im Frühjahre später als irgend ein anderesWintergcwächö in die Vegetation tritt, so ist unvermeidlich, daßsich auf dem mit Weizen bestellten Felde mehr Unkraut zeigt, alsaus einem anderen Winterungsfelde; daher ist dann das Jäten,wo einigermaßen ausführbar erscheint, von großem Nutzen, in-dem man nicht allein ein reines Korn erhält, sondern der Weizensich auch mehr bestaubet, so wie überdies noch durch die Vertilgungdes Unkrautes eine mindere Bodenerschöpfung erfolgt, das Unkrautselbst aber einen vollkommenen Futlerzuschnß für daS Milchviehgiebt, zu einer Zeit, wo noch anderweitiger Mangel desselben statt-findet. Man unternimmt das Jäten, wenn die Frucht 8 bis 9 Zollhoch ist, oder auch später. Nur bei nasser Witterung muß es un-terbleiben. Da daö Jäten wie daö Anhäufeln der Kroncnwurzclnmit Erde, den Ertrag des Weizens wesentlich befördert, so dürftewohl bei keiner Getreidefrucht daö Drillen lind nachherige Behäu-feln der Saat mit Gespannwerkzcugen empfehlcnöwerther sein, wosich nicht sonst überwiegende Schwierigkeiten denselben entgegenstellen-Zeigt sich die Saat des Weizens im Frühjahre sehr dünn, oder inden Pflanzen schwächlich, so ist unmittelbar nach dem Eggen einUeberstreucn der Saat mit Nuß ganz besonders zu empfehlen, in-dem nach dieser Düngung das Stroh rohrarliger und steifer wird.Bei einem sehr üppigen Wüchse deö Weizens un Frühjahre, bevorer in den Schoßballen tritt, ist eS gebräuchlich, ihn entweder ab-zuheilen oder zu schröpfen, um daö Lagern zu verhüten. DasSchröpfen erfolgt dann, wenn der Weizen mit seinen Blättern dichtdurchwachsen, der Halm aber noch nicht sichtbar ist. Man schnei-det dir vorstehenden Blätter mit der Sichel oder mit der Sense ab,