Weizen.
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wobei aber Vorsicht nöthig ist, daß dem Weizen kein Schadenzugefügt wird. Hierdurch wird der Weizen im WachSthnme zu-rückgehalten, die Halme wachsen nicht zu geil auf, erstarken viel-mehr. Indessen sichert das Schröpfen nicht immer vor dem Lagern.UebrigcnS muß man, ehe man sich zum Schröpfen entschließt, sehrgenau prüfen, ob man auch wirklich Lagern vom Weizen zu be-fürchten hat und daher mit der Bodenkrafl genau bekannt sein unddie Pflanzen sorgfältig prüfen; denn nicht immer hat ein üppigesWachsthum und Ausbilden großer Blätter das Lagern zur Folge;es zieht vielmehr eine solche Saat eine große Menge atmosphäri-scher Nahrung an, wodurch der Halm um so kräftiger aus-gebildet zum Vorschein kommt. Es kann dann das Schröpfengerade die Veranlassung werden, daß die Pflanzen sich weniger aus-bilden, schwächlich bleiben und um so eher lagern. Es bleibt da-her räthlieh, nur dann zum Schröpfen zu schreiten, wenn der Wei-zen ein sehr dunkelgrünes Ansehen bekommt, die Sprossen sehr dickund die Blätter sebr breit und fett sind, sich sehr ineinander ver-schlingen, kräuseln und von der Nässe leicht niedergezogen werden.Alan muß es bei guter Witterung vornehmen, besonders muß maneinen Zeitpunkt vermeiden, wenn scharfe Nord- und Ostwinde we-hen, weil sonst die Pflanzen leicht gelb werden. Vermuthet manschlechte Witterung nach dem Schröpfen, so unterläßt man es lie-ber, weil in diesem Falle die geschröpften Pflanzen mehr leiden, alsdie ungcschröpftcn, so wie man es auch nach einem Reif, oderwenn starker Thau auf den Pflanzen liegt, vermeidet. Bei demAbhüten, welches mit Pferden, Rindvieh und Schafen erfolgen kann,obschon man daS mit letztem am liebsten vornimmt, sind dieselbenRücksichten zu nehmen, wie beim Schröpfen; daS Abhüten mußmöglichst schnell hintereinander erfolgen. Durch wechselnde Witte-rung leidet der Weizen ganz besonders unter den Gclrcivearten,und naßkalte ist ihm am wenigsten zuträglich. Bis zum Austriebeder Achrcn liebt der Weizen eine mäßig feuchte, aber warme Wit-terung, bei Trockenheit in dieser Periode bleiben die Pflanzen klein,die Nebcnsprossen bilden sich nicht gehörig aus und er wird dop-pelwüchsig. Sind aber einmal die Aehren ausgebildet, so mag dieWitterung auch noch so trocken sein, der Weizen bildet sich um sovollkommener aus, und man pflegt ein Wetter, wo andere Früchtein Folge der Trockenheit leiden, Weizenwcttcr zu nennen. FeuchteWitterung beim Körneransah ist dem Weizen nicht zuträglich, indemstch dann nicht allein der Brand häufiger zeigt, sondern die Körnerauch weniger groß und mehlreich werden. —
Tie Erndte des Weizens erfolgt gewöhnlich im Laufe desEgust, wird aber auch nicht selten bis in den September verzö-gert, obschon sie bisweilen schon gegen Ende Juli vorgenommenwerden kann. Nicht selten ist der Weizen doppelwüchsig, und manmuß dann mit der Erndte beginnen, wenn der größte und voll-kommenste Theil der Körner vollständig ist. Vorzüglich ist beimbeizen, wenn er nicht zu Saamen bestimmt ist, erforderlich, die