Buch 
Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
Entstehung
Seite
494
JPEG-Download
 

oder in der Blüthe zu Heu gemähte, sondern zum Reifwerden be-stimmte Wicken bringt man dann ab, wenn die ersten Schoten reifsind. Sie werden eben so gehauen und bei der Erndtc behandelt,wie die Erbsen. Ihre Zcitigung erfolgt im August oder AnfangSeptember. Als mittlern Ertrag kann man 8 Scheffel Körnerund 1800 2000 Pfund Stroh vom magdeb. Morgen anneh-men. Bei einer gleichen Löhnung erschöpften die Wicken den Bo-den noch etwas weniger als die Erbsen.

Winterwickcn werden hauptsächlich in England gebaut, undman hat lange Zweifel gehegt, daß sie auch in Deutschland, desstrengen Klimas wegen, fortkommen würden. Indessen haben neuere inWürtemberg, auf der Alpe und indem rauhen Mecklenburg,gemachte Erfahrungen über ihren Anbau dieses Mißtrauen widerlegt.(Vergl. Schwcrz'SPraktischer Ackerbau" Bd. 2. S. 342. und v. Len-gerke'sDarstellung der mecklenb. Landwirthschaft" Bd. 2. S. 300. u. f.)

Die Beimischung einer Winterfrucht ist übrigens zu ihremSchutz nöthig, zu ihrer Unterstützung rathlich. DaS Gemenge besteheaus ^ Roggen und 4 Wicken. Sonst kommen sie in der Kultur mitden Sommerwicken überein. Grün gefüttert, gewähren sie besondersden Pferden ein blutreinigendes und verdünnendes Mittel, und geben,in der Blüthe abgebracht und getrocknet, ein vorzügliches Heu.Eine noch wenig bekannte ausdauernde Wickenart, die viel-leicht Beachtung namentlich da verdiente, wo Luzerne und Espar-sette nicht gedeihen wollen, ist die erbsenartige Wicke, (vici-rxisikormis*) welche, nach einer Notiz im lournsl äs connais-ssnces usuelles, ll'ev. Ig.gg, x. 64 , in Lothringen nicht sel-ten kultivirt wird. ES heißt a. a. O.:Diese interessante Pflanzeverdient angebaut zu werden; sie gewährt sowohl grün als getrock-net dem Vieh ein angenehmes Futter, giebt nahrhafte, sowohl zurSpeise als zum Brodtbackcn im Gemenge mit anderem Getreide,taugliche Körner, ist nicht ekel in Ansehung des Bodens, indem siedaselbst auf dem schlechtesten fortkommt, einen lockern Sandbodensogar vorzugsweise zu lieben scheint, und liefert alljährlich einenguten Ertrag. Man säet ungefähr 70 Kilogrammen auf deir Hec-tar (46 Pfd. auf den magdeb. Morgen) entweder im Herbst oderim Frühjahre, nachdem man das Land durch ein zweimaliges Pflü-gen dazu vorbereitet hat, bringt den Saamen mit der Egge unterund läßt dieser die Walze folgen. Bei feuchtem Wetter geht derSaamen schon nach 10 14 Tagen auf, bei trockenem liegt erlänger. Ucbrigens bedarf diese Pflanze weiter keiner Pflege. Manmäht sie, wenn sie zu blühen anfängt, oder läßt sie in diesem Zu-stande abhüten. Säete man im Herbst, so kann dies schon imMai geschehen, bei der Frühjahrssaat aber erst im Juni. Mankann sie auch zu Heu benutzen und schneidet man sie erst etwa 14 Tagenach dem Abblühen, so soll sie nach Herrn Daart'S Versicherung

*) Ihre Beschreibung findet man in Crome'sHandbuch der Naturge-schichte für Landwirthe." Derselbe zweifelt, daß sie sich zum Anbaueigene, weil sie ihren schattigen Wohnplatz nicht verlasse.