Mögen die Urgeschlechter der Menschheit in den finsteren, schattigen undwildreichen Urwäldern der Gebirge in Einem Lande oder an sehr verschiedenenPunkten der Erdoberfläche sich von süßen Eicheln oder wilden Birnen, denKnollen des Affodills, wildem Honig genährt oder der Jagd obgelegen, aufendlosen grünen Flächen von Wiesen- und Weidelandschasten die sehr zeitiggezähmten Heerden geweidet oder mögen sie an der günstigen Küste, am ehe-maligen Meerbusenlande des Nilgebietes oder des Euphrat und Tigris vonFischen, Schildkröten, See- und Schalthieren überhaupt ihr Leben gefristet haben— all dieß liegt uns hier nich? zur Entscheidung vor, denn es fällt in diePeriode der urältesten Wirthschaftsweise, der wir das Wort nicht mehr reden,zu erndten nämlich da, wo man nicht gesäct! Wir aber beginnen unsere Ge-schichte mit der Pflege und Saat der ersten Nutzgewächse, der Zeit, in welcherdemgemäß die Ansicht von Grundeigenthum Halt gewann und die erste Boden-rente dem Ackerbau entsproß, die älteste Quelle alles Höheren, was der Menschkennt in Religion selbst, noch mehr aber in Wissenschaft und Kunst. Ganzohne Kultur mögen aber auch jene Waldbewohner, Nomaden, küsten- oderuserbewohnenden Fischer nicht gewesen sein, denn Pflege der Thiere, die manzähmte, legte ja den Grund zur Viehzucht beim wilden Hirtenstamm, Vermeh-rung wilder Obstbäume oder des Honig liefernden Bienenschwarms — undZeidlerwesen ist ein uralter Betrieb — lag sicher auch dem Waldbewohner amHerzen; noch mehr aber Pflegte der Fischer am See oder Sumpfland die Pflan-zen, deren Genießbarkeit neben Wasserthieren er fand. Deutet nicht die Lotus-krone der ägyptischen Isis, der Göttin des Ackerbaues, auf die vorherrschendeKultur dieser Pflanze in vorgetreidlicher Zeit? —
„Wo die Heimath der ältesten Kulturpflanzen der civilisir-ten Erde ist, so sagt man, ist auch die Heimath der ersten land-wirthschaftlichen Kultur gewesen."
Nun hat zwar jedes nur etwas größere Land der Erde seine ihm eigen-thümlichen und da heimischen Kulturgewächse — so Südeuropa, außer anderen,Wicken, Kichern, Lupinen, Weichseln, Oliven und Wein, Mitteleuropa seinenHopfen, Esper, Rothklee, Waldäpfel und Süßkirschen, Nordafrika süßen Lotus,Datteln, Quitten, Granaten und Orangen; aber die ältesten und wichtigstenNutzpflanzen der alten und neuesten Zeit hat doch nur Ein Ländergebiet ingrößter Fülle, das Quellland des Euphrat und Tigris nämlich und ihr Strom-gebiet überhaupt, der westliche Theil vorn innern Mittelasien. Das ist auchdas Land, aus dem das älteste Buch, die heilige Schrift, den Stammvater desNeue Encyklopädie, Band I. Nro. 2. 1