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Die Landwirthschaft.
auserwählten Volkes, Abraham, ziehen läßt, aus Ur (jetzt Urfa) näm-lich in Mesopotamien, wo Babylon und Assyrien in dunkelster Ferne ihre mehrmythische Geschichte attf die Bühne brachten. Freilich zog Abraham als Nomadeaus — und Ms ist An schlechter Beweis sür die Landwirthschast im Euphrat-gebiet — aber er fand ja auch in Kanaan schon Städte und gut eingerichteteVölker mit Ackerbau, seine nächsten Nachkommen dasselbe in Egypten, so daßes scheint, der Patriarch habe nur nicht viel auf Landwirthschaft Und ihre Pflegegehalten, wie dieß auch jetzt an seinen Söhnen noch sichtlich werden will, obgleichschon später das Reich Israel und Juda selbst sehr mühsamen Ackerbau trieb.Genug, Mesopotamien und Armenien, ein Theil des eigentlichen Persien undinsbesondere die Provinzen am südlichen Kaukasusabhang und an der kaspischenSee sind das Vaterland der meisten Kulturpflanzen asiatischer und europäischerVölker!
Wild fanden Pflanzenkenner und Reisende dort den Weizen, Spelz unddie Gerste — und diese drei Getreidearten sind die ältesten, die wir kennen! —viel später ward der Roggen griechischen Naturforschern in Thrazien bekannt,ihn brachten wohl von Oberasien aus den Steppen von Südstbirien germanischeVölker, etwas eher verschiedene Haferarten, zur Grünfütterung von Griechenund Römern doch selten — gebaut. Hafer ist vorzüglich germanische Nutz-pflanze, hat uns Plinius erzählt. Dort sind auch die meisten europäischenObstsorten heimisch, wie schmackhafte Aepfel und Birnen, Pflaumen, Kirschenund Weichseln und wilder Wein in Fülle, gleich im Nachbarlande, in Vorder-asien ist heimisch die Feige, der Sykomorus, die Olive, die Granate und Quitte,wie ebenfalls im südlichen Europa schon, wo auch unsere meisten Hülsenftüchtenoch wild sind.
Gewiß von da aus erhielten Egypten sowohl, wie Vorderasiaten und durchdiese Europa die bedeutendsten Nutzpflanzen der europäischen Landwirthschast,die, wo nicht von dort ihren Ursprung, doch gewiß ihre erste Vervollkommnungableitet, ohne daß wir indessen eine weitere Vermehrung von den GrenzstaatenOberegyptens, von den nördlichen Scythen oder den Anwohnern der Hesperi-den ausschließen wollen.
Beginnen wir nun aber die Geschichte der Landwirthschast in den eben-genannten Ländern zu erörtern, von da an, wo uns ein historischer Grundgegeben ist, so müssen wir der Ordnung halber doch vorerst bemerken, daß —man mag ein Ding von noch so vielen Seiten betrachten, es immer doch gewisseeinzelne Seiten sind, von denen es am besten erforscht wird, und so haben auchwir vor, unseren Gegenstand sowohl von dem Punkte historisch aufzufassen,von dem aus er uns als Wissenschaft oder Kunst in seiner Literatur erscheint,als auch von politischer Seite, insoferne ihn Völker pflegten, deren Gesetze undInstitutionen ihn sehr verändern konnten und endlich als Geographie desAckerbaues, insoferne nämlich Boden und Klima den landwirthschastlichen Betriebauch ganz wesentlich bestimmen, — endlich selbst, wollen wir sagen: wie erauch in der That bei so verschiedenen Völkern getrieben ward.
Mit der Literatur unserer Wissenschaft nun sieht es vor den Zeiten dergriechischen Naturhistoriker (circa 300 v. Chr.) freilich sehr leer aus, aber diepolitischen Verhältnisse, Boden und Klima und ihre Produkte — lassen unsschon manches in jenen Stammländern unserer, der morgen- und abendlän-dischen Kultur erkennen.
Was die Zendschristen uns sagen, deutet wie alle alten Ueberlieferungenaus die ehrwürdigen Sagen von dem großen Geschenke der Götter, die denAckerbau lehrten, auf das geheiligte Gewerb des Ackerbauers, der „den goldenen