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Landwirihschast.
Makronen durch die Poesie zu geben, was ihnen an doktrinellem und origi-nellem Werthe mangelte.
II.
Das weströmische Reich war unter den wiederholten Stürmen barbarischerVölker erlegen, — der vollendete Ackerbau seiner Gründer war schon Jahr-hunderte zuvor noch zu Grabe gegangen, jene so blühende Landwirthschaft,als Caro noch so dürftig darüber schrieb, jener schon so vernachläßigte Grund-erwerb, als Columella mit größter Opulenz darüber seine werthvollen Lehrsätzeausstellte! So sehr verschieden gehen Theorie und Praxis des landwirthschaft-lichen Gewerbes, so große Unterschiede zeigen sich, wenn man dieses Feldmenschlichen Erwerbens mit der Feder oder mit dem Pfluge anbaut!
Wohl erhielten sich noch in dürftigen Schatten gleichsam die Reste derwissenschaftlichen Fortschritte des Occidents im byzantinischen Reiche, aber ohneKraft im Haushalt und höherem Triebe erlagen sie dort bald dem gemeinenStreben Alles beherrschender Geistlichkeit und der hohlen Untüchtigke'it seinerRegenten. Wir werden später Gelegenheit nehmen, dessen zu erwähnen, wasauch für Landwirthschaft Interessantes von Byzanz aus geschehen ist undwenden Uns nun an das stürmisch bewegte Abendland, das in wilder Gährungalles Bestehende vernichtete, um aus den Trümmern nach Eigenem Plan undGedanken ein neues Gebäude für geschichtliche Entwicklung seiner Stämme zugründen.
Hatten celtische Stämme in Gallien, hatten Germaniens und BrittaniensBewohner denn dazumal noch gar keine Spur landwirthschastlichen Betriebes?Hatten sie nichts noch von ihren Feinden, den Römern, in Jahrhunderte langerBerührung gelernt, von jenen wackeren Bürgern und Kolonen, die überall hinneben das Schwert noch Pflug und Gesetzbuch pflanzten? Und was ist dannrömischer Erbtheil, was eigener Besitz und welche Gestaltung erwarb beidesin der folgenden Zeit?
Suchen wir der Lösung dieser Fragen näher zu rücken.
Galliens reicher Agrikultur erwähnen die meisten historisch-geographischenSchriftsteller des Alterthums und es beweist die Richtigkeit ihrer Ueberlieferung,daß Cäsar während seines Krieges daselbst leichtlich Unterhalt für sein Heerfand, zumal noch die Bewohner oft selbst ihre Ernten zerstört hatten, um sieihm zu entziehen. Wenn es wahr ist, daß Virgil's Landwirthschaft, dieer in Mantua erlernte und in Rom besang, eine celtische ist, wie in der Thatmanches beweisen möchte, so stand diese dazumal aus einer nicht geringenStufe und hatte viel Originelles.
Erdmischung Behufs Düngung, Mergel-, Aschen- und Kalk-Düngung,Räderpflüge, die nach Plinius so vortrefflich arbeiteten, daß man damit zumeistEinfährig bestellte, Erntemaschine, selbst Anbau von Futterkräutern sogar —find entschiedene Erscheinungen im altceltischen Ackerbau.