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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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31
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Mittlere Geschichte-

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Nach der Sitte der Germanen bauten auch hier nur meist Knechte (Leib-eigene) das Feld; der freie Landeigene saß gern allein auf seinem Besitze,nahm aber, sowie alle zum Krieg weniger Taugliche, am Ackerbau Antheil.Die Trauben durch Umdrehen eher zur Reise zu bringen, die Fässer zu pichen,Rauchwein und Bitterwein, selbst Cider zu bereiten, war celtische Sitte.Gallisches Rauchfleisch war berühmt zu Rom.

Der Anbau von Gerste, Roggen, Waizen und namentlich von Spelz(Usea) ist uralt in Gallien, nicht minder soll es der von Hans, Lein, Mohnund Reps nach Reynier sein.

Schönes Vieh, namentlich in den Alpen, mittelmäßige Pferde, nochkeine Esel! wohl aber treffliche und zahlreiche Schweine werden von ihrerViehzucht angegeben.

Alles aber geriet!- sicher in größte Verwirrung, als sich vom Osten herble Völkerstämme des rauhen Germaniens wälzten, gedrängt und drängend,O" als die tüchtigsten Stämme von daher stürmten, Alemannen, Gothen undFranken sich in Gallien ausbreiteten und das Land germanisirten. Die West-goten nahmen den Besiegten 2 Dritttheile des Landes, knechteten die meistenund ließen nur Vs übrig, ebenso die Burgunder. Ein Drittel nur nahmen dieOstgothen, die Lombarden nahmen kein Land, wohl aber 1 Drittel der Ernte.Alte Umfriedung, die Ersten Versuche, Besitz zu schaffen und ihn zu achten,wurden zerstört, zwar das Feld gleichmäßig unter die Eigenen Behufs desAnbaues getheilt, aber nach geendeter Ernte war es wieder Jedermanns Gut' (Allmende). Mäßig steuerten die Knechte und schwer nur war die baldgeltende Zehentabgabe und die 3 Arbeitstage in der Woche, die dem Herrngehörten.

Die Stämme hatten also ihre Wanderlust verloren und gruppirten sichm einzelnen dorfähnlichenNarungen," vertheilten das Land durch's Loos,gaben den Unfreien ihrenMansen" und behielten selbst ihr Tal gut nebstHofstätten und deren Rechten. Der Unfreie konnte nichts vererben und geriethimmer mehr und mehr in die empfindlichere Abhängigkeit, da er vor dem nurmehr unter hausherrlicher Obergewalt stand, bis er selbst dem Boden ge-oder völlig leibeigen ward. Was Klöster und Städte, was belehnendeund Dienstleute brauchende Fürsten und Könige für den unfreien Landbauerund dieser ist's, der für uns das meiste Gewicht hat bezüglich ihrerstusenwesien Befreiung thaten, soll anderswo genauer erwähnt werden, hiergenügt zu wissen, daß diese zunächst das Land für sich und für den Herrnbebauten, daß sie selbst von früheren Leibeigenen abstammten oder erst, wieffmst auch, durch Krieg oder Unglück, selbst durch freiwillige Schenkung ihreFreiheit verloren hatten und von benachbarten Stämmen, von Sachsen, Ale-mannen, Sueven rc., vorzüglich den spätern Slaven, aber auch Römern undGalliern ihren Ursprung herleiteten, nicht minder eines Stammbaumes werthals jene, die Sieger blieben oder durch Flucht dem Unglück entronnen warenund die Herrn den späteren Landadel ausmachten.

Indessen der Freie selbst erfreute sich nicht lange seiner edelsten Rechte.Seine freien Moden drang er den Fürsten auf, um sie als Fcoden, Lehenaus Gnaden, wieder zurückzuerhalten und fand größern Werth darin, seinesFürsten Gefolge und Hoflager alsSchalk" (Hosdiener überhaupt) zu ver-mehren, als sich beim Heerbann der Nation als schlagfertigerKerl" einzu-ssnden. So ward aus dem Freien der Lehenträger und wie der Fürst, sohandelte der Mönch und Klosterzinsbarkeit fesselte nicht minder, als das Lehens-band (Anton).