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Die Landwirthschaft.
vor Kurzem von Norddeutschland aus denselben Ausspruch that, ist wohl nichtweniger bekannt. — Wenn es so aussieht, dann hat in der That der dort seitbald einem Jahrhundert bestehende landwirthschastliche Hauptverein mit all seinenZweigen blutwenig geleistet. Doch sehen wir die Sache nach der Aktenlage undnicht so summarisch, wie v. Lengerke, an. Der landwirthschastliche Verein inBayern ward 1768 zu Altötting als Gesellschaft für Sittenlehre und Landwirth-schast constituirt, zog später nach Bnrghausen und ward nach einigem Jnterstt-tinm in München 1810 reformirt oder neu gegründet, wenn man will — undbesteht somit bis zur Stunde über 78 Jahre lang.
Drei Standesklassen vor allen haben ausgezeichneten Antheil daran genom-men — Geistliche, adelige Grundbesitzer und Regierungsbeamte.
Freilich ist ein unantastbares Faktum in der Geschichte der Vereine undGesellschaften, daß in die Zeit ihrer Gründung unfehlbar ihre glänzendste Be-strebung — der freilich nur allzuoft noch die äußere Anerkennung fehlt — wirmöchten sagen, ihr Heldenalter fällt. Wenn man im Organe der damaligenGesellschaft, im ökonomischen bayerischen Hausvater von 1769 liest, und diegründliche Abhandlung jener Männer über Brachanbau, Stallsütterung, Land-wirthebelehrnng, Kleebau, Gypscn rc. durchgeht, so sollte man allerdings aneinen ewigen Kreislauf nützlicher ökonomischer Präpositionen glauben, denen mannirgends auf praktischer Stätte Einkehr gestattet, — dieß aber ebenso an denUfern der Donau und der Elbe, an der Jsar wie Spree! — Als Gras Tör-ring von Seefeld seine von der Gesellschaft gekrönte Abhandlung über denHopfenbau schrieb, mußte er den Bayern noch sagen, daß ihr Hopfen dem böh-mischen nicht nachstehe und jedenfalls kein schlechterer sei — da, wo man sonstkaum Heckenhopsen im Lande sah und wo jetzt die Theorie die beste Braume-thode fand und der Gustant das beste Bier.
Wie Hopfen, so empfahl und führte praktisch die Gesellschaft denRepsbau ein, der 1781 in Bayern noch fast unbekannt war und jetzt dieHauptfrucht vieler baierischen Wirthschaften bildet. Wo sonst findet man injener Zeit bessere Arbeiten über Verbesserung der Wiesen, als sie H. v. Hart-mann mittheilte? Gelang es nicht den Mitgliedern des Vereins den Anbauder Futterrünkeln einzuführen und noch mehr den Rothklee und Esper-bau allgemein zu machen, zu einer Zeit, wo man anderwärts noch die haltlo-sesten Vorstellungen davon hatte? (Münchhausen's Hausvater). Wenn man mitSeidenbau, Mais und Tabak in der südbaperischen Provinz trotz der Empfeh-lung nicht weiter kam, so ist das Scheitern dieser Versuche nicht im geringstengravirend, wenn man an die gelungenen denkt.
Einem Kranze edler Männer aus der Klasse grundbesttzendcn AdclSzumeist stand aber auch die wahrhaft liebliche, weil so seltene Erscheinungkräftigster Bethätigung durch Geistliche — zur Seite, Geistliche und Jesuiten,denen die Geschichte selbst Vaterschaft und geistige Mmentation unseres Ver-eines zuschreibt! So Franz von Hoppenbichel (geb. 1721 st 1779), der ersteDirektor der Gesellschaft und Autor einer Abhandlung über das Vorurtheil,daß Brachfelder nothwendig seien. So der Jesuit vi-. Härt! und der ge-feierte Schrank, dessen tiefe Natur-Kenntniß und freier Geist jenen leicht-sinnigen Kritikern sehr zu wünschen sein dürfte. Nimmt man zu diesen That-sachen noch den regen Eifer und die reellste Wirksamkeit einer spätern Zeit,v. Hazzis und seiner Periode, welche wie die Thätigkeit noch jetzt lebenderMitglieder noch in allzufrischem Andenken sind, um hier Erwähnung zu be-dürfen, so findet man jenes obige Urtheil mindestens abgeschmackt grundlosund dieß sind auch häufig die Urtheile über die Wirksamkeit landwirthschaft-