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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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47
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Mittlere Keschichre. 47

hold, Gleditsch, Kraft, Meerwein, Grollman, Runde, Münchhausen, v. Justiund viele Unqenannte erwarben sich hierin unsterbliche Verdienste.

Nicht den Ursprung besserer Ansichten somit, sondern die ernstere Mahnungund selbst praktische Ausführung verdankt man der französischen Revolution, dennjene sind schon sehr lange vor ihr bekannt gewesen und gepredigt worden. Hätteman den Fortschritt der Zeit, wie recht ist, gewürdiget und ihr einstimmigesVerlangen befriediget, so wären viele Uehel des 30jährigen Krieges kraftlosgeworden und wir würden nicht unmächtig geworden sein gegen das überströ-mende Vorschreiten anderer Nationen.

Nur ein starker, freier und ausgebildeter Ackerbau ist die dauerndste undfesteste Stütze der Staaten; ,,^t ex uAileolis viri strsnuissimi et inilites lor-tissiini AlAmiutur, plus guaestns, rniniine invidiosus, miniinsgns in alseo Atlantss in eo stuclio ooouxati sunt!" (Oato.)

Auch hatten große Fürsten jenes Jahrhunderts dieß zumal in Deutschlanderkannt. So Maria Theresia, und der große Joseph in Oesterreich, Max III.in Bayern, Friedrich der Große in Preußen, vor allen aber musterhaft glänzteToskana unter seinem weisen Leopold, dessen großer Reichthum und Ackerbauflorseinen Grund in der Bodenbefteiung hatte.Kolaniento la liberta <0 ooltura"hieß die Antwort, die man den um die Ursache fragenden Republikanern Frank-reichs gab.

Wie es in Zeiten sehr lebhafter Strebungen zu geschehen pflegt, daß mansich mit extravaganten Sprüngen im Dränge der Eile zu helfen sucht, wo dochnur weise Mäßigung sicher zum Ziel führt', so ist auch diese letzte Hälfte des18ten Jahrhunderts reich an neuen Ackerbausystemen. Jener Methoden vonKretschmar, Nemnann, Ellis und Tüll haben wir schon erwähnt, auch eine Feld-bestellung mit mehrscharigen Pflügen zugleich ward im Arndt-Ricmischen Acker-system gepriesen (1794) und ihm nach folgte das spätere von Beatson, das gleichDünger und Brache dazu entbehrlich zu machen versprach. Auch einer Riemisch-Leopoldischen Landwirthschaft wird noch erwähnt und bald der Trentischen Rog-gcnwirthschaft (erst 1820). Daß die landwirthschaftlichen Vereine in diesemJahrhundert vorzugsweise ausblühten, haben wir schon gesagt, daß sie auch vielNützliches leisteten, nehmen wir mit Zuversicht an. Zwar 'ist gewiß, daß solcheVereine je nach der Thätigkeit ihrer leitenden Mitglieder in bestimmten Perio-den mehr als in andern thun, ja man hat oft Stimmen gehört, welche einebesondere Thätigkeit solcher Gesellschaften überhaupt sehr in Frage stellen und eskann die Geschichte als Schiedsrichter zur Entscheidung gestellt werden.

Nehmen wir beispielsweise hier einen Verein, der einer der ältesten undmit Urkunden wohl versehen ist, dem man, wie dem Lande, dem er angehört,überhaupt nicht selten die grundlosesten Behauptungen von mangelndem Fort-schritt in allem landwirthschaftlichen Betrieb in die Schuhe geschoben hat, voneiner Seite zumal, wo man seit langen Jahren schon hohe Geistesbildung undFortschritt in Pacht genommen zu haben scheint, ob auch in Erbpacht? Und wasnützt auch ewiges Rühmen vom festen Besitz, wenn euch die Geschichte sub dastasteckt und die empfindlichsten Schläge des Schicksals euch immer tiefer stürzenAachen, als die anderen je standen?

Vor etwa 25 Jahren schrieb der Engländer London in seiner Encyklopädiebetreffend die bayerische Landwirthschaft, daß unter allen Ländern Deutsch-lands Bayern noch am meisten im Punkte jeder Verbesserung zurückgeblieben sei,baß eine stupide Geistlichkeit dort den Hang zur Trägheit gemehrt habe undM so ein trauriges Zurücksein in allen Künsten, besonders im Ackerbau, zeige(Bd. i. S. 124 , wo noch mehr derartiges gelesen werden kann). Daß man