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Die Landwirthschast.
dadurch zerrissen; überdieß herrschten die Hilfswissenschaften über die Haupt-lehre — die Landwirtschaft. Neben nur Einem Professor aller landwirth-schastlichen Doctrinen standen noch 2 Professoren für die Hülfssächer. Da derHauptlehrer der Landwirthschaft zugleich auch dirigirender Jnspector der ganzenAnstalt und des Instituts insbesondere war, so lag ihm auch das moralischeBerhalten der Zöglinge zu überwachen ob. An der Mangclhastigkeit dieserBeaufsichtigung, an der Befehdung von Seite der Administration und seinereigenen geringen Befähigung ging W immer zu Grunde, verlor die Anstaltden so nöthigen ersten guten Eindruck und ward nicht zu heilendes Uebel ge-stiftet. Welche Hoffnung aber ehrenhafte Patrioten auf das Institut gesetzthatten, zeigt sich daran, daß Lorenz Fr. v. Schäzler in.Augsburg für 30Zöglinge allein den Unterrichts- und Kostgeldbctrag zahlte. Die Zahl allerZöglinge der drei Klaffen war 55. — W immer fiel im October 1823 und imVerlaufe des Jahres 1823 — 24 ward eine neue Verfassung für die Schuleentworfen, in welcher die 2 Hanptübelstände — nämlich Trennung der Schulevon der Administration und vorwaltender Unterricht in den naturwissenschaft-lichen und mathematischen Hülfsfächern auf Kosten des Hauptfaches — beseitigtwerden sollten. Diese wurde für ersteren Theil sehr vollkommen erreicht, aberbezüglich des zweiten ward das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Da dieseneuen Institutionen auch für die Folge in der Hauptsache dieselben blieben,außer daß 1839 der Unterricht in der Hülfswissenschaft wieder in bessere Rechteeintrat und nun so vollkommen, wie an irgend einer landwirthschaftlichcn An-stalt ertheilt wird, so werden wir zuletzt erst aus dieselben zurückkommen.
Es ist unseres Erachtens die Aussicht der Zöglinge oder Akademiker anLandwirthschaftsschulen zunächst bezüglich ihres moralischen Verhaltens der schwie-rigste Punkt aller derartigen Anstalten, da bei der zur Zeit noch geringenWerthschätzung realistischer Studien in Deutschland überhaupt großentheils nursolche Individuen sich denselben widmen, denen Betragen, Talent oder Lern-eifer an den humanistischen Anstalten zum unübersteiglicheu Damm ward. Daaber die Directionen als zugleich Administrationen mit dem Detail der Jnsti-tuts-Verhältnisse und der Zöglinge sich so oft, genau und ernsthaft, wie esdie Umstände fordern, abzugeben nicht wohl Zeit und Lust haben, so sollhierüber billig die Gewalt einem der Lehrer selbst mit der entsprechenden Machtund Stellung gegeben werden, soll anders ein — obwohl mühsam erzielter —doch lohnender Erfolg das Ende sein. Dieß nun realiflrte Schleißheim, indemder schon damals zu großen Erwartungen berechtigende Professor Veit zumJnspector der zweiten oder Hanptklasse mit der Aufgabe, über Disciplin undUnterrichtsordnung zu wachen, nebst nöthiger Gewalt ernannt ward. Leider aberging nach Schönleutner's Tode (1831) durch Ernennung des B. von Russinund Veit's nachgesuchte und ertheilte Quieszenz — diese für die bestehendenBedürfnisse eines Instituts höchstnöthige und kluge Einrichtung wieder ver-loren. Die Jnsvection ging in der Direction auf und noch bis zur Stundewill diese Grundbedingung des Gedeihens der sonst originellen Einrichtung desSchleißheimer Instituts nicht wieder gefunden werden. Dieser Ursache zunächstsind auch die unter den Dircctoren v. Nuffin und Kraus oft vorgekommenenWirren und Unregelmäßigkeiten zuzuschreiben und wenn sie in neuerer Zeitnicht wieder vorkamen, sondern trotz fortdauernder falscher Stellung diesesPunktes ein entschiedenes und nachweisbares Fortschreiten der Anstalt in einerWeise, wie man früher noch nicht sah, beobachtet werden kann, so ist dießdem verständigen Zusammenwirken des humanen und hierin so wohl erfahrenenDirectors mit dem eine Art Anzeigeamt versehenden Lehrer zuzuschreiben, kei-