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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Neueste Geschichte.

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Schleißheim.

Ein schöner Geist begründeten Fortschrittes leitete die patriotischen Ge-fühle der Männer des anfangenden 19. Jahrhunderts in Bayern, und nichtobne Grund nannten selbst Ausländer dieses Land damals einen erleuchtetenStaat. Auch für materielles Wohl blieben die Sorgen der Regierenden nichtfruchtlos. Schon 1803 ward auf dem Staatsgute W eih enstephan, eineAuswahl, welche die erste und gelungenste bis auf unsere Tage genannt werdenbann, eine forst- und landwirthschastüche Lehranstalt errichtet und Schön-leutner zum Professor ernannt. Aber die Zöglinge nahmen, dem Wortlautenach, das Pflugeisen, um es in's Lager zum kriegerischen Rüstzeug zu tragen,anstatt friedliche Felder zu bestellen; sie traten 1806 der größten Zahl nachw die Reihen vaterländischer Krieger und damit nahm die Anstalt ein Ende.Schade für das so mißlungene Gedeihen des rechten Saatkorns am rechtenOrte!

Indessen trieb Bayern seine schönsten constitntionellen Blüthen und derrastlose Schönleutner wußte mehrere Mitglieder der Ständeversammlungvon 1819 für den Antrag zu begeistern, eine landwirthschastüche Lehranstalrzunächst mit vorwaltend praktischer Richtung zu gründen. Der Antrag derStände ward genehmigt und Schönleutner, der schon seit 1811 als Staatsgüter-Dircctor in Schleißheim wohnte und dort mehrere junge Leute privatimunterrichtete, aufgefordert, einen Entwurf dazu dem königl. Finanzministeriumvorzulegen. Dieß geschah zu wiederholten Maien und die darin vorherrschendenIdeen waren in folgenden drei Grundsätzen ausgedrückt:

1) Es sollen brauchbare Landwirthe in 3 Abstufungen gebildet werdenals Gewerbsgehülfen, als gewerbskundige selbstständige Oekouvmen oderGeschäftsführer und endlich als Wirthschasts-Directoren oder eigentlicherationelle Landwirthe.

2) Der theoretische Unterricht soll mit dem Wirthschastsbctriebe der Staats-güter in innigste Verbindung gesetzt werden; bezüglich des Prak-

. kjsthcn Nachweises. .

3) Selbst nach dem Austritte der Zöglinge aus der Anstalt stll an oerStaatsgüteradministrativn ihnen noch ferner Gelegenheit zum Praktikumbleiben?

Man sieht, daß Schönleutner seine Aufgabe zu fassen verstand. Alleinstatt einer Genehmigung seines Entwurfes kam 1822 wohl lene emer Er-nchtung einer landwirthscbastlichen Lehranstalt zu Schleißheim überhaupt, alMne Grundsätze wurden' hintangesetzt, außer daß stne sub 1 bemer ten dreiKlassen in der Eintheilung blieben? Die weitere Erörterung ipecieller Ver-hältnisse der sich nun bis auf unsere Tage fortentwickelnden Anstalt, nach ge-richtlichen Daten, ist wohl mit der encyklopädischen Behandlung un;eres Stichesunvereinbar und verweisen wir deßhalb auf dre klaren ExpoMonmuu 2. Bande der Jahrbücher der k. b. landw. Lehranstalt von

Schönleutner und stiert, München 1829 und vr. Veit's Nachricht über dieZentralschule zu Schleißheim, München 1844. Nur aber ^ wirk amstenscheinungen auf die Entfaltung der Anstalt heben wir hervor. Ms ^ rigentder neuen Anstalt ward zuerst Wimmer ein dem landw. Publikum ganzunbekannter Mann! unter dem Titel eines Jnspectors ernannt ^Hurigig von der Staatsgüter-Administration und bald m lebhafter Besehdungustt ihr; die besonders nutzbringende Verbindung mit der Administration war