Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
79
JPEG-Download
 

Neueste Geschichte.

7S

deutschen Land- und Forstwirthe gegründet, die erste Versammlung zu Dresdengehalten, und die Statuten entworfen. Weiter wurden diese zu Potsdam mitAbänderungen und Zusätzen versehen, wie nicht minder zu Dobberan (1841)und zu Carlsruhe, wo man eine Geschäfts-Ordnung feststellte. Zweck derVersammlung ist die Förderung und Vervollkommnung der Landwirthschast imAllgemeinen, wie in all' ihren verschiedenen Zweigen. Hiezu wird vorzüglichAnknüpfung und Fortsetzung persönlicher Bekanntschaft und Austausch der An-sichten und Erfahrungen dienen. Man würde einen Fehlgang machen, wennman daran ginge, aus sämmtlich vorliegenden Versammlungsberichten Kernund Geist die Summe landwirthschaftlicher Fortschritte unserer Zeitauszuziehen, um so leichten Kaufs pragmatische Ausbeute zu gewinnen, aberohne Resultat überhaupt bliebe man nicht. Ein sehr großer Theil der Berichtedreht sich um außerordentliche Dinge, Empfangsfeierlichkeiten, höfliche Grüße,begeisterte Abschiede, maßloses Lebehochschreien, viel Deutschthümlerei und ora-torisches Blendwerk, zumeist auf den ja jetzteinigen" Michel basirt, gebentheils den mehr bloß formell gegenwärtigen Celebritäten, theils den parla-mentarischen Ruf anstrebenden Söhnen des schlichten Triptolemus Gelegenheit,ihre Gaben zu entfalten. Was aber in den besonderen oder Sektionssitzungenoder auch im Allgemeinen Nützliches und zum Fach Gehöriges, oft sehr Schönes,Neues und Nützliches vorgebracht wird, kann am Probirsteine scharfer Debattemit pro 6t ooutra. aus Mangel an Zeit nicht zu literarisch gütigem Ansehengebracht werden, kommt aber dann in der Regel doch durch die Presse in'sPublikum und fällt so der Literaturgeschichte anheim. Anregend aber im höch-sten Grade, Gemeinsinn befördernd und Verbindung stiftend, besonders aberauch wichtige Thesen aufstellend, wirken vorzüglich die Versammlungen undsollte der Tag einst kommen, wo ihre Vorschläge vor Ein deutsches Tribunalgelangen können das Macht und Willen hat, sie zu verstehen, dannwird das Ziel erreicht sein, das man bisher nur dunkel in ihnen ahnte.

Die Statistik dieser Versammlungen stellt bisher folgende Uebersicht:

Jahr.

Ort.

Inländer.

sonstige Deutsche.

Ausländer.

Zusammen.

1837

Dresden

93

43

9

145

1838

Carlsruhe

151

131

7

289

1839

Potsdam

678

134

22

824

1840

Brünn

313

63

7

383

1841

Dobberan

652

227

30

909

1842

Stuttgart

272

208

48

528

1843

Altenburg

390

493

38

921

1844

München

-

780

1845

Breslau

800

1846

Gratz

1300

199

10

1509

Die allseitigste Theilnahme zeigte Gratz, den meisten Adel (verhältnißmäßig)Dobberan, Potsdam und Gratz, die meisten Ausländer Stuttgart und München,die meisten Männer von Fach Brünn und Gratz. Außer den schon obengenannten Zierden der Landwirthschaft treten auf diesen Versammlungen auchparlamentarische oder sonst durch Vorträge sich auszeichnende Männer auf.Waniek, L. H. Fischer, v. Bujanovics, v. Melden, v. Closen, Dr. Schulz,b- Thaer, Gr. Burgsdors, v. Török, Pogge - Ziersdorf, Gr. Urmeniy,Ieppe, Hollcufer, Kalina v. Jäthenstein, v. Babo, Ungemach, Albrecht rc.sind oft und rühmlich wiederkehrende Namen. Auch haben sich neuerlich die