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Die Landwirthschaft.
weiternde Ansicht von dem großen Einflüsse der Konstitution des physikalischen Klima'süberhaupt deutet klar darauf hin, daß es vorzüglich die Aenderung der Hauptbe-standtheile des Bodens ist, welche man bei Bodenverbesserung wie Düngung beab-sichtigen muß, um nämlich denselben seinem variabeln Klima möglichst anzupassen,seine Nässe oder Trockenheit, seine Absorption von atmosphärischer Feuchtigkeit undErwärmungsfähigkeit rc. rc. so zu regeln, wie es die zu bauenden Pflanzen nöthighaben. Der Dünger ist vorerst als klimatisches Corrigens zu betrachten, dann erstals Reservoir von pflanzennährenden Stoffen und namentlich auch wirkt er durchAenderung des Aggregations-Zustandes des Bodens in erster Eigenschaft. In wieweit nun die physikalischen Eigenschaften des Bodens durch Ermäßigung ihrer Extreme,durch Bodenmischung auf die Dauer geändert werden können, erhellt schon aus demVergleiche jener Eigenschaften selbst, wie wir sie oben angegeben haben. Wir wer-den daher wohl noch später von den Beurbarungen sprechen, nicht weiter mehr abervon der bleibenden Bodcnverbesscrung überhaupt.
Wichtiger und als Zeitfrage unseres Decenniums besonders interessant ist aberdie Dünger lehre geworden und wir werden hierin uns weiter zu ergehen haben.Vorerst möchte eine geschichtliche Erörterung hier mehr als anderwärts zur Auf-hellung vieler Streitpunkte beitragen. Dieser wollen wir unsere allgemeinen An-sichten , dann den speciellen doctrinellen Theil dieser Lehre folgen lassen.
Die Erkenntniß der Wirksamkeit thierischer Excremente auf Pflanzenwachs-thum ist gewiß so alt, als der Ackerbau, ja noch älter, denn sie konnte dem Noma-den nicht fremd bleiben. Wir brauchen somit keinen Augias oder Triptolemus,Satnrnus oder Stercutius zur Erfindung anzunehmen, die Sache kam von selbst.Indessen nicht bloß Excremente und Stallmist überhaupt — mit Streu vermengtviel weniger als jetzt bekannt —wurden schon in uralter Zeit als Düngermaterialienangewandt, auch mineralische und unorganische Substanzen überhaupt (wie Mergel,Salz, Asche, gebrannter Thon rc. rc.), ja selbst Komposte standen schon in Anwen-dung, wie wir oben gezeigt haben. Die Ansichten der Alten bezüglich der Ursachender Düngerwirknng gingen aus die physikalischen Eigenschaften hinaus, die derDünger dem Boden mittheile oder jene des Bodens selbst ändere. (Thcophrast.)
Mit der Wiederaufnahme der Wissenschaften und Künste im Mittelalter be-gannen auch die theoretisirenden Landwirthe jener Zeiten die Meinungen der Altenwieder aufs Tapet zu bringen, nur mehr gewürzt mit dunkelen, alchemistischenRedensarten und Ausdrücken. Florinus sagt übrigens schon, man müsse einenschlechten Acker düngen, damit er so auch eine gnte Temperatur, die warm undfeucht ist und den Acker fruchtbar macht, bekomme.
Ob nun gleich Waller ins' chemische Fundamente des Ackerbaues schon zeitig(1765) erschienen, obgleich gar schon Bernard Palissy (ff 1589) den Satz auf-stellte , daß der Dünger nur durch seinen Gehalt an löslichen Salzen den Bodenverbessere und der Boden durch fortgesetzten Anbau unfruchtbar werde, weil ihm da-durch alle löslichen Salze entzogen würden; hatten später Gleditsch, Schrader,Braconnvt, Friew ald, Mildern, Duhamel, Bonnet und Krasst durchgroße Versuche über die Ernährung der Pflanzen durch Für- und Gegenreden Licht zuverbreiten gesucht, so finden wir doch bis hart an's Ende des 18. Jahrhundertsunter den Empirikern der Landwirthe und ihren Theoretikern selbst noch sehr zweifel-hafte Ansichten über diesen Theil ihrer Wissenschaft. Freilich hatte auch ihnen dieNaturforschung jener Zeiten nicht viel wahrhaft Brauchbares geboten.
Eine vorwaltend landwirthschafttiche Ansicht von dem, was der Erde Frucht-barkeit ausmacht, kann insbesondere jene genannt werden, welche in eigenem„dumm, olsuin oder rmetuosum" das Wesen der Pflanzenernährung vermuthete.Von Fettigkeit und Salibus im Boden ist oft im Reichart und Zink en's Leipzi-