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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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114 Die Laiidwirthschast.

formt werden (wobei man 300 PC. feste Substanz rechnet), ehe man ihn an-wendet.

Der festen Substanz des Urins am Aehnlichsten wirkt der Vogelmist, derfreilich nach den Nahrungsmitteln der Vogel selbst wieder sehr verschieden ist.

Der Mist der Seevögel, die von Fischen leben, und der körnerfressenden, wenigsaufenden Vögel ist vorzüglich.

Der Tauben mist enthält viel Harnsäure, Ammoniak, Kochsalz undschwefelsaures Kali, Phosphorsauren Kalk und Talk. Er zersetzt sich schnell mitviel Wärmeentwickelung selbst bis zur Selbstentzündung unter starker Ammoniak-Bildung. Er wirkt sehr heftig und schnell und das Ammoniak des Gänse-nustes verbrennt die Gräser. Daher auch wendet man ihn vorzüglich fürLehmboden und feuchte kalte Bodenarten überhaupt an, wo er für gewissePflanzen besonders paßt, z. B. Tabak, Lein, Hanf, Sonnenblume.

Rinds mist enthält an 75 Wasser, viel Eiweiß, Satzmehl und Schleim,Pflanzenfaser (an 14 °/g), dann Gallenstoff. Die stickstoffhaltigen Substanzensind zusammen IOH 2 °/v und ihr Stickstoffgehalt beträgt 1,7 °/g. Die Rinder-Excremeute betragen im frischen Zustande das Doppelte des trockenen Futters,und im trockenen nur die Hälfte des trockenen Futters; d. h. 20 Pfund Heugeben 40 Pfd. Excremente, die 10 Pfd. Trockensubstanz liefern. Werden grüneoder frische Futterstoffe gereicht, so betragen die Excremente um die Hälfte imfrischen und '/g im trockenen Zustande (80 Pfd. Gras geben 40 Pfd. frischenMist und 10 Pfd. Trockenmist). Werden Wurzeln gegeben, so betragen diefrischen Excremente ^ und im trockenen Zustande (60 Pfd. Rüben geben36 Pfd. frischen Mist und 5 Pfd. trockenen, nach Hlubeck). Eine der bestenAnwendungen des Stallmistes ist die in Gülleform, welche Tschisfeli in seinerStallfütterung (Bern, 1789) zuerst empfahl.

Die Excremente der Pferde enthalten 70 °/g Wasser und 13,3 Pflanzen-faser. Ihr Stickstoff-Gehalt 2,2 °/g. Sie unterliegen einer schnellen, hitzigenund ammoniakalischen Gährung besonders, wenn die Pferde mit Körnern ge-füttert werden. Die Erhitzung des Pferdemistes bei der Gährung ist bekannt,daher er auch leicht überhitzt und übertreibt, somit gut mit Wasser zu mischenist und vorzüglich für nasse, kühle und bindende Bodenarten paßt. Außerdem !läßt man ihn auch gern vorher abgähren oder mischt ihn mit Rindermist.

Der Schafmist enthält am wenigsten Wasser (67 °/g) und 2,8 °/g Stickstoff,überhaupt auch schon viel gebildetes Ammoniak, auch kohlensaure, schwefelsaureund phosphorsaure Salze. Er geht unter geringer Erwärmung eine trockene,sehr viel Ammoniak entwickelnde Gährung ein und zersetzt sich bei mehr Feuch-tigkeit in größeren Haufen schnell, wirkt kräftig, am Besten auf feuchten Thon-gründen und bei freier Humussäure, aber seine Wirkung dauert nur kurze Zeft.

Für kleberbildende Gewächse und stickstoffhaltige, die sich nicht lagern, wirkt ertrefflich, z. B. Rüben, Kraut, Oelpflauzen. Seine Anwendung im Pferch oderim Misthaufen ist bekannt. Für das Pferchen gilt die Regel, daß 1200 Schafefür das Ausdüngen eines Morgens in einer Nacht hinreichen, daß500 Schafe in 12 Nächten eine starke,

500 9 mittlere,

500 7 schwache Düngung

geben, indem sie im ersten Falle 100, Ctr., im zweiten 80 Ctr. und im drittennur 60 Ctr. abwerfen.

Sehr schlecht verarbeiten die Schweine ihre Nahrungsmittel, sind übcr-dieß Allesfresser und saufen sehr viel; kommt dazu noch viel Einstreu, so sind