Landwirthschastliche Chemie. 115
ihre Excremente freilich wenig wirksam. Anders aber ist's mit den trockenenBestandtheilen derselben.
Die Güte der thierischen Excremente hängt übrigens im Allgemeinen abvon der Beschaffenheit des Futters, das die Thiere erhalten, von der MasseFlüssigkeit, die sie dabei noch zu sich nehmen, von der Verkleinerung, welchedas Futter durch die Kauwerkzeuge erfährt.
Unter den vegetabilischen Dünger-Materialien verdienen insbesondere dieStreu-Materialien und Abfälle aus landwirthschaftlichen Gewerben oderdem Ackerbaubetriebe selbst und die zur Gründüngung ganz besonderscultivirten Pflanzen eine genauere Erörterung.
Von den vegetabilischen Abfällen hat man in neuerer Zeit besondersdie Oelknchen gerühmt, die nach Bouningault 5/^°/g Stickstoff enthalten.Man wendet 3 — 4 Ctr. per Morgen an, indem man sie vorher vertheilt undgleich mit der Saat ausstreut oder erst im Wasser oder Harn einige Tage faulenläßt. Besonders günstige Resultate erhielt man mit ihnen bei Lein und Tabak.
Ein anderes Material, das häufig angewendet wird, sind die Malz-keime, deren Stickstoff-Gehalt man zu 4 °/g annimmt. Vorzüglich auf Wiesen,mit Gülle gemischt, auch auf Getreidesaaten sahen wir eine treffliche Wirkungderselben.
Torf-Abfälle, mit Holzasche, Gülle oder auch Aetzkalk versetzt undlängere Zeit den Einflüssen der Atmosphärilien ausgesetzt, liefern ein trefflichesDünger-Material.
Geringer ist die Wirkung von Meer- und Wasserpflanzen überhaupt.
Die Branntweinschlempe ist erfahrungsgemäß ein sehr kräftiges,freilich auch theures Dünger-Material. Außerordentlich wirksam ist sie, wenndie Hefe aus der Maische vor dem Abbrennen nicht entfernt wird, also in derSchlempe bleibt.
Als Streu-Materialien werden die verschiedensten Dinge gebraucht. Vorerstist eines der besten Materialien dazu das Stroh der Getreidearten, Hülsen-und Schotenfrüchte, welches ohnedem noch gährungsfähige Substanzen enthält,in den hohlen Halm Flüssigkeit gern einsangt und dem Wehe ein reinliches undweiches Lager gibt. Am Liebsten braucht man aber wenig nahrhafte Stroharten,wie Roggenstroh, Bohnen-, Buchweizen- und Repsstroh. Wenig wirksam sinddie zu wässerigen und markreichen Stengel der Kartoffel und Topinambour.Das Stroh von Wasserrohr-Pflanzen zersetzt sich in der Regel langsam,ist hart und will viel Feuchtigkeit zur Gährnng haben. Viel leichter verwestdagegen das Schilf, deflen loses und schwammiges Gewebe sich gern vollsangt.Sehr schwer und langsam verwest das Haide kraut, zumal wenn es mit derganzen Wurzelmaffe, als Plagge, angewandt wird. Viel Feuchtigkeit, gutesAufeinanderschichten und öfteres Umsetzen des Haufens, auch längeres Liegen-lassen unter den Thieren sind hier, wie bei der Nadelholz schnitzel-Stren,sehr nöthige Bedingungen einer baldigen Benützung. Auch ist bei Haide- undNadelholz, wie auch bei der Waldstreu überhaupt, der Gehalt an Gerbestoffin diesen Theilen sehr wohl zu berücksichtigen. Nicht allein hindert Gerbsäuredie Vegetation sehr bedeutend, ja tödtet sie, sondern sie hält auch die Gährnngdamit vermischter Substanzen ab. Demnach ist auch das Laub weniger Gerbestoffhaltender Bäume (wie der Ahorne, Eschen, Birken, Pappeln rc.) besser alsEinstreu, wie jenes der gerbsäurereichen, z. B. Eichen, Erlen, Weiden.
Torf und Torfmnlle, wie Erde selbst können bei gewissen Thierarten(zumal dem Rindviehs) recht gut als Streu-Material angewandt werden undnamentlich der erstere verdient hiezu eine größere Beachtung.