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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

Es ist überhaupt als Grundsatz der neuesten Landwirthschast bezüglich die-ses werthvollsten Gegenstandes anzusehen, daß es keinen für alle Bodenartenund Anbanmethodcn gleich paffenden Pflug geben könne, sondern daß je nachBoden und Cultur-Art immer ein Pflug da der beste sein mag, wo es einanderer, anderwärts bester, nicht sein kann. Es gibt wohl ein Pflug-Ideal,aber zu seiner Ausführung gehört auch ideeller Boden und ideale Cultur.

Die beste bis jetzt gelieferte Lehre über Pflug--Construction rührt vom ,EngländerJohn Bailey (1795) her, denn die Beschreibungen der Ackergeräthevon Williamson, Thaer, Bley, Lasteyrie, Winstrup, Ricm, Zeller, Göritz rc.sind nicht auf Untersuchung nach den Grundsätzen der Mechanik und Mathe- >matik angelegt; die Thcorieen des Pfluges aber von Shuk oder die älteste Ivon MünchHausen sind allzu mangelhaft. Eine gute Theorie des Pflügensist uns indessen in einem Programm der landwirthschaftlichen Gcwerbsckule vonBamberg von Dr. Wirth zu Handen gekommen. Allen Beobachtungen zufolgewird aber das Pflügen vollkommen genannt, wenn

1) die Streifen die Form eines rechtwinkligen Parallelepipeds oder eines vier-seitigen, rechtwinkligen Prisma's haben;

2) wenn die Furchen rein ausgestrichcn, die Sohlenflächen horizontal erschei-nen und die Landscite der Furchen auf der Soblenfläche senkrecht steht;

3) wenn die Furchen unter einem Winkel von 45° umgelegt werden oder wenn !

sich die Tiefe der Furchen zur Breite wie 5 : 7 verhält, weil nur in die- jsem Falle der gewendete Boden die größtmögliche Oberfläche der Atmo-sphäre darzubieten vermag, was, nebenbei gesagt, wohl die wichtigsteAnforderung an den Pflug ist. "

Als praktisch erprobte Schleichpflüge nenut Hlubck:

1) Den Bailey'schen Pflug, der bis zur Tiefe von 7" vollkommene Arbeitleistet;

1) den brabanter, der eine ausgezeichnet breite Schar, aber ein zu kur-zes Streichbrett hat, doch sich nur zum seichter« Pflügen eignet;

3) den Small'schcn Pflug, der bei tiefer Arbeit den Vorzug vor den beidengenannten verdient;

4) den Schwerz'schcn oder Hohenhcimer-flandrischcn Pflug, der die Bor-trefflichkeit der Schar am Brabanter mit der Vortrcfslichkeit des Streich-brettes am Bailey'schen vereinigt;

5) den Zugmay er'schcn, der sich in Oestreich sehr bewährt hat und dahergroße Verbreitung fand;

6) den nvrdamerikanischen von Treborn.

Seit uralter Zeit hat man eingesehen, daß das Lockern des Bodens, wennman den Zweck des Wendens nicht außer Acbt lassen will, durch die Pflüge nursehr unvollkommen bewerkstelligt wird und die Erfindung der Eggen (mehr Schlei-fen in alter Zeit, wo der Hakenpflng das weitere Lockern nicht so nöthigmachte, da er auch nur sehr unvollkommen wendet), der römischen Scarifi-catoren, Runcatoren und der Exstirpatoren, und der späteren Wal-zen ist seit sehr langer Zeit schon gemacht worden. Ja, der Haken Pflugselbst, von dem wir oben schon Vieles gesprochen haben, gehört zu diesenlockernden Werkzeugen, und ist auch der Urtvpus aller Pflüge. Noch jetzt ist erder herrschende Pflug in den meisten slavischen Ländern, im südlichen Europa undauch bei uns ist der böhmische Perzhaken, die Zoche, der kurländer Haken undder von v. Thünen, mit Gestell oder Stelz?, der sächsische und Pictzpuhlerund noch mehr der meklenburger Haken bekannt, der selbst den Pflug zu ver-drängen im Stande war. Der Haken unterscheidet sich vom Pfluge uur durch