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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Bodenbearbeitung.

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schon 10 Jahre vor Lummis (1720) Rotherhamer Pflüge verfertigt, selbst dieNordamerika»er nahmen diese Erfindung für sich in Anspruch (London). —Small machte 1784 das Streichbrett zuerst gewölbt und von Gußeisen, nichtminder hatte eine Verbesserung des Pfluges auch Bailey (1795) angestrebt.

Ransome erhält 1785 das erste Patent für Verfertigung der Pflugscharvon Gußeisen, später für Stählen der Gußeisenschar; — endlich entstandenganze Pflüge von Gußeisen. Zahllose Varietäten von Pflügen folgen diesen vonnun an in allen Theilen von England.

Der brabanter Beetpflug sammt Streichhaken wurde 1807 von Schmerzin der belgischen Landwirthschaft beschrieben und 1819 von Antwerpen nachHohenheim gebracht, wo er 1821 von Machet abgeändert ward. Der flan-drische Beetpflng, als Abänderung Schwerzischer Pflüge, kam 1828 eben-dahin und verbreitet sich von da aus immer mehr in Europa. Auch der flan-drische Wendepflug von Cortryk verdient Erwähnung. Weniger berühmt, abernach Boden und Lage oft nicht minder werthvoll, sind die übrigen Pflüge deseuropäischen Festlandes, von den im Süden und den nordöstlichen slavischen Län-dern Europa's üblicheren Haken bis zu den mannigfaltigen Abarten des ge-meinen Land- und Räderpfluges der mitteleuropäischen Völker. Doch würdeuns diese Betrachtung hier zu weit führen und wir kehren zur Doctrin derPflugarbeit wieder zurück.

Der Pflug besteht aus der Sohle mit der Schar, der Griessäule, demGrindel mit dem Messer, den Sterzen und dem Streichbrctte. Unwesentlichdaran ist das Vordergestell, das bald als Wagen, bald als Stelze oder alsRad erscheint. Pflüge ohne alles Vordergestell heißen Schwingpflüge (der vonSmall und Bailey); — die Brechpflüge sind stets Wagenpflüge. Diese Brech-pflüge unterscheiden sich von den mehr schleichenden Schwingpflügcn durch eingerades Streichbrett, bei welchem der abgetrennte Streifen bloß durch dieKraft des Zuges umgeworfen wird. Die Schleichpflüge (oder auch zumeistSchwingpflüge) haben eine solche Form des Streichbrettes, daß der Erdstrcisenvon der Schar an aus einer tiefen Fläche allmählig in die Höhe gehoben unddurch eine saufte Wölbung ohne große Zertheilnng umgeworfen wird. Esrichtet sich zwar die Tiefe, bis zu welcher gepflügt werden soll, nach sehr ver-schiedenen Dingen, doch insbesondere nach der Pflugbeschaffenheit, dem Bodenund der zu bauenden Pflanze.

Nach der Beschaffenheit der gewöhnlichen Pflüge, bei einer Breite desStreifens selbst zu 12" kann die höchste Tiefe nur 8'/?" betragen. Schleich-Pstüge lassen leichter eine tiefere Bearbeitung zu. Man pflügt nicht leicht über9 Zoll tief und 3" seicht. Geschieht es dennoch, so heißt dieß Rigo (pflü-gen, wo dann 2 Pflüge in derselben Furche sich folgen. Einen besondernRigol- oder Untergrundpflug beschrieb schon Worlidge (1677). Das Tief-pflügen ist bei vielen Pflanzen (Cerealien) unnöthig, auch da wo man Stop-peln oder Grasnarben, Kleeschwartcn rc. unterbringen will und für gewöhnlichgilt als Hauptregel, nie tiefer zu pflügen, als der Boden artbar ist.

Es ist viel Streitens gewesen über die beste Form, in welcher man denAcker pflügt und es ist ein ständiger Ansspruch eilfertiger Beurtheiler land-wirthschaftlicher geographischer Verhältnisse gewesen, alle Gegenden mit vorwal-tendem Schmalbeetbaue (Bifängen) auf die niederste Stufe der Bodencultur zuverweisen. Allein es hat die nüchterne Beobachtung gezeigt, daß man einenzur Nässe geneigten und sonst gern stark verunkrautenden Boden am Besten inschmale Beete pflügt, wohl aber ist auf trockenem und lockerem Boden denschmalen Beeten der Vorzug zu geben.