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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

oder dessen Verhalten zunächst gegen die genannten Ponderabilien und Jmpon- es

derabilien von größter Beachtung bei Beurtheilung der möglichen Vegeta- R

tion ist. gl

Was auch immer die Theorie über den richtigen Gebrauch der Boden-Bearbeitungsgeräthe sagt, es ist Alles zumeist auf die Grundsätze rationeller gr

landwirthschaftlicher Agronomie und Meteorologie basirt, und ohne ihre Beachtung C

und Feststellung wäre kein Fortschritt in diesem Zweige gelungen. Der schick-lichste Zeitpunkt zur Pflugarbeit ist für irgend ein Feld dann eingetreten, wenn P

es sich zwischen dem Extrem der Trockenheit und Nässe befindet; schwerer, ur

bindender Boden verlangt Wiederholung der Arbeit öfter als leichter Allesaber zunächst in Berücksichtigung des jeweiligen Klima's, welches hier vorzüg- ge

lich maßgebend ist. In unserm Klima ist Erhaltung der Feuchtigkeit bei der ab

Bearbeitung eines an Trockne leidenden Bodens eine Grundausgabe und muß T!

geschehen durch Wahl flacher Beete und der rechten Bearbeitungs-Zeit (im R

Herbste), durch seichtes und seltenes Pflügen im Frühlinge und durch zeitiges au

Eggen undWalzen gleich nach der Furche. üb

Nicht minder achtsam ist die Bearbeitung eines widerspenstigen, zur Nässe , tic

geneigten Bodens vorzunehmen, zumal gerade ihm der bleibende Einfluß derAtmosphäre ersprießlicher ist, als irgend einem andern. Große Oberfläche der zu

Beete (Bisänge), Aufpflügen vor Winter und Rauhliegenlassen bis zur sorgfäl- ba

tig gewählten ersten Pflugarbeit im Frühlinge, wiederholtes und tiefes Pflü- tr>gen, ohne aber zu pulvern, sind Cardinal-Sätze bei seiner Bearbeitung. ge

Schon oben ward des Streites in der letzter» Hälfte des 18. Jahrhun-derts erwähnt zwischen den dem Tief- oder Seichtpflügen anhängenden Par- sie

teien und bis weit in's 19. Jahrhundert zog sich diese Fehde. Wenn sich nun Fe

aber auch der Streit für das Tiefpflügen im Allgemeinen günstig entschied, so du

müssen doch besondere Fälle wohl berücksichtiget werden, welche im Princip deshöchsten Reinertrages das Seichtpflügen sehr wohl räthlicher machen. Größerer

Spielraum für das Gedeihen aller Pflanzen, auch solcher, die tief wurzeln, da

leichteres und tieferes Eindringen der Atmosphärilien, Wasserabzug, Möglich- mc

keit des Wechsels der Erdschichte und völlige Benützung des Düngers sind be

allerdings Sätze, welche dem Tiefpflügen den Vorrang im Allgemeinen ein- W

räumen. , ^

Daß eine zum ersten Male aus der Tiefe hervorgepflügte rohe Erde vorher Ilrdurch Düngung und Bearbeitung, vor Allem auch durch Einwirkung der Atmo- sihsphärilien artbar gemacht werden müsse, versteht sich von selbst. fiel

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Allgemeine Pffanzen-Cultur. ! S

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Man muß gestehen, daß man, nach einer genauen Uebersicht alles seither Uivon uns vorgebrachten Hilfs-Materials zum eigentlichen landwirthschaftlichen Pflan- uuzenbau, ein eclatantes Resultat bezüglich voller Scheunen und Böden, wohl-feilen Brodes und behäbiichen Zustandes des Landbauers sich wohl in Aussicht stet- Kc

len darf. Aber niemals hat die Wirklichkeit mehr noch getäuscht, denn hier, wo wi

Einführung des Fruchtwechsels und Aufhebung der Brache, künstlicher Futterbau,Wiesenbewässerung, Stallfütterung, veredelte Thier-Racen und Plünderung aller S

Floren-Jmperien an nutzbaren Pflanzen so wenig geleistet haben, daß wir wohl D

den periodischen Hungerjahren der alten Zeit entronnen, aber nicht der stetigfortschreitenden Generalverarmung, den immer unabwendbarer auftretenden du

Fleischfasttagen und überhandnehmenden Mehl-Surrogaten entgangen sind, ja daß sti