Allgemeine Pflanzen-Cultur.
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ein Schwärm besitzloser Population alle alt-sociale Ordnung bedroht und dieRohproduction von Nahrungsstoffen nicht mit der Zunahme der Populationgleichen Schritt gehalten hat.
Und doch ist die Erzeugung größtmöglicher Menge, vollkommener, großer,guter und sehr rasch erzeugter Pflanzen die Hauptaufgabe der Pstanz en-Cultur.
Um diese Aufgabe zu erfüllen, erforschte man vor Allem das Wesen derPflanzenvermehrung durch Samen oder Knospen, der Pflanzenpflege und Ernte,und suchte haltbare Regeln darüber für die Praxis zu gewinnen.
Außer den Regeln über die Saat, welche die Pflanzen-Physiologie uns obengelehrt hat, ist es noch vorzüglich der Samenwechsel, der schon seit mehrals hundert Jahren als trefflich erkannt und von der Praxis zuerst in dieTheorie eingeführt wurde. Ueber Aufbewahren des Samens schrieb schonReichart (1750) so viel Treffliches; der Samenbeizen als im Großen nieanwendbar und sonst auch gefährlich, oft aber nützlich, ward schon gedacht;über die Aussaatzeit aber lassen sich der Natur der Sache nach allgemein gil-tige Regeln für Länder verschiedener Klimate nicht aufstellen.
Die Größe der Aussaat ward nach der Größe der Pflanzen im Verhältnissezur Größe ihrer Samen bestimmt, nach der großem oder geringern Frucht-barkeit des Bodens und den in letzterem enthaltenen Bedingungen zum Keimans-trciben und der Keimfähigkeit selbst; endlich auch ist die Art und Weise dergewählten Culturmethode selbst maßgebend.
Vorausgesetzt, daß Samen um so tiefer zu liegen kommen sollen, je größersie sind und je härter ihre Umhüllung ist, und daß dieses wieder nach demFeuchtigkeitszustande und dem Zusammenhange der Krume sich richtet, so wirddie Saat selbst als eine ganz- oder halb- oder ungeregelte vorgenommen.
Eine ganz geregelte Saat suchte man mit Hilfe von Marqueurs, Dibbel-hölzern und Schnüren durch Menschenhände zu erzielen und ohne Zweifel wirddadurch die vollkommenste Saatmethode erreicht; ihr entgegen steht die unregel-mäßige, gleichfalls durch Menschenhände in verschiedener Form des Wurfes aufbestimmte Räume ausgeführte Saat. Zwischen beiden steht die halbgeregelte,zwar auch durch Menschenhände, mehr aber noch durch Säemaschinen effectuirteSaat. Schon bei den Römer» finden wir Anklänge an diese durch ihre Saat-furche und spätere Bearbeitung erwirkte halbe Regelmäßigkeit, und es ist zu erfor-schen, ob nicht in Italien und mehr noch in den älteren römischen Provinzensich Spuren davon erhalten hatten, ehe die deßfallsigen Erfindungen in Mittel-europa sich eigene Bahn brachen.
In der That auch sprechen ältere englische Werke von Säemaschinen ausSpanien, wo sie indessen wobl nur in sehr geringem Gebrauche waren. Nichtübel steht hiezu als Analogie der älteste Luccrnebau in Hispanien nach demUntergänge des römischen Reiches bis in's 15. Jahrhundert heraus (sieheunten).
Gewiß ist, daß Locatello, ein kärnthnischer Ritter, um 1665 vor demKaiser bei Wien die erste Säemaschinc auf dem Kontinent producirte und zwar,wie es heißt, mit sehr großem Erfolge.
I. Tüll, der Vater des Drillsystems, vervollkommnete Instrumente undSystem, doch erst das 19. Jahrhundert stellte die Vor- und Nachtheile desDrillens nebst den Fällen seiner Anwendbarkeit fest.
Cook und Fellcnberg erwarben sich durch ihre Instrumente große Ver-dienste und es ward anerkannt, daß durch diese Samen selbst bei sehr ungün-stiger, windiger Witterung gesäet werden könne, daß wegen mehr gleichförmiger