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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

Die am Häufigsten vorkommenden Futterstoffe außer den schon oben genanntenund: 1) die jährigen Grünfutterpflanzeu, 2) die Körner und das Stroh der reisenKörnerfrüchte, 3) die Knollenfrüchte, Rüben und Gemüsfrüchte, 4) die Nebenpro-ducte des Ackerbaues.

Zu den ersteren gehören vorzüglich die Getreidepflanzen, die Hülsensrüchte,der Buchweizen, Reps und Spergel. Vornehmlich der Winterroggen verdient alsGrünfntterpflanze besondere Beachtung, da er sehr viel Masse und das sehr früh-zeitig gibt 23 Wochen vor dem Kleeschnitt schon. Als sogenannten Johannis-roggen baut man ihn besonders gern an. Alle Cerealien werden aber bezüglichihrer Eigenschaft als Grünfutterpflanzen vom Mais und der Mohrenhirse über-treffen, die einen außerordentlichen Ertrag an sehr zuckerreichen und nahrhaftenStengeln und Blättern geben. In Steiermark oder Oberitalien wird der Maisals zweite Frucht, selbst nach Weizen, gesäet und als Grünfutter benützt.

Am Empfehlenswerthesten sind in dieser Classe aber die Hülsensrüchte, sowohlweil sie, vor und zur Zeit der Blüthe gemäht, dem Boden sehr wenig entziehenund Unkraut ersticken, auch dieses zugleich vor dem Samenwerfen mit abgeschnittenwird, sondern auch weil sie auf Gppsdüngnng sehr gern sich heben, eine kurzeVegetationszeit heischen und ein dem Viehe sehr angenehmes Futter geben. Manbaut als solche Erbsen, Wicken, Linsen, Bohnen, am Liebsten als Mengfutter inverschiedenen Zeiträumen.

Zwar mit schlechtem, lockern: Boden der Moore und Haiden zufrieden undrasch wachsend gibt selbst als zweite Frucht in einem Jahre der Buchweizen vielGrünfuttermasse, aber wenig nahrhaft ist's und selbst schädlich für manche Thiere.

Viel und gutes Futter liefern auch die kohlartigen Kreuzblüthler, aber ihreAnwendung hiezu ist selten; häufiger jene des Spergels, doch nur auf schlechtemSandboden, wo nicht leicht etwas Besseres gedeiht; der Spergel selbst gibt auch inden besten Verhältnissen nur wenig Ertrag.

Außer dem Hafer und Feldbohnen, seltener Wicken und Buchweizen, kommennicht leicht andere Körner zur Fütterung vor. Ihr Futterwerth ist der größte,aber auch sonst ist ihr Werth zu hoch, um sie als Futter verwenden zu können.

Ueber die Stroharten ist in der obigen Reihe der Fntterwerthe das Nöthigstegesagt, und begreiflich wird Stroh mit guten Blattgräsern und Futterpflanzen ge-mengt nahrhafter sein, als reines; auch das in südlichen Klimaten ist viel besser,als jenes der nördlichen, wie denn im Süden Europa's, in Asien und Nordafrika dieHausthiere mit Stroh statt Heu neben den Körnern (Gerstenstroh) gefüttert werden.

Auch Kartoffeln, Runkelrüben und Rüben überhaupt sind treffliche Futter-pflanzen.

Der Wald liefert viele Futterstoffe, von denen jedoch nur meist einige Frucht-sorten, wie Kastanien, Eicheln, Bucheckern in Anwendung sind, seltener die Blättermancher Bäume, die doch ein vortreffliches Futter und oft in großer Masse ge-währen. Wie die Römer dasselbe eifrig suchten und wie auch selbst noch in manchensüdlichen Ländern viel Werth darauf gelegt wird, ist zum Theil schon oben gesagtworden. Am Nahrhaftesten sind die Blätter der Eschen, des Ahorns und der Ulmen;auch Akazien, Linden, Bohnenbäume und Pappeln liefern, grün getrocknet, eingutes Beifutter. Nicht werthlose Futterstoffe sind die Abfälle der Milch- undHauswirthschaft überhaupt, wie Küchenspülicht, Molken und Käsewasser, viel wich-tiger aber doch die Abfälle der Bier-, Branntwein-, Oel-, Mehl- und Zucker-Fabrication. Bei der Bierbrauerei werden Abschöpfgerste ('/>I Vr °/o), Malzkeime<67 o/o), Teig und Trebern (33 o/ trocken!) gewonnen. Letztere haben die meisteBedeutung. Ihr Werth ist nach dem Wassergehalte und ihrem Gehalte an Mehlsebr verschieden und durchschnittlich werden 34 Ctr. Trebern 1 Ctr. Heu gleich-