Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
178
JPEG-Download
 

178

Die LanLwirthschast.

von welcher wieder als die am Meisten differirenden Endpunkte Hlubeck zweiHaupt-Racen annimmt, von denen jede durch weitere zwei Uebergangs-Racen in die Mittel-Race übergeht.

„Die Schwierigkeit, die Eigenthümlichkeiten oder Charaktere der Uebergangs-„Racen mit Bestimmtheit anzugeben, ist die Ursache, warum bei der Ausstellung„der Racen bei den einzelnen Hausthierarten die Uebergangs-Racen keine nähere„Würdigung gefunden haben und daher unter die Haupt - Racen als Unter - Racen, !„Stämme, Varietäten subsummirt wurden." (Hlubeck.)

Zeigt sich eine Thierart in sehr vielen incoustanten Merkmalen gleich, so bildetsich die Race, zeigen mehrere Thiere dieser Race sich weiter in einzelnen Merkmalengleich, so bilden sie die Unter-Race, deren weitere Unterschiede Veranlassung zurAbtheilung in Stämme Gelegenheit geben. (Race: Bergschaf; Unter-Race:Merino und Churro; Stämme der Merinos: Jnsantado und Escurial.) Wennsich ihre Merkmale gar nicht vererben, so bilden sie bloß Spielarten.

Durch die von uns oben bezeichneten Ursachen werden also auf ganz natürlichemWege — durch Boden und Klima — Racen gebildet und dieß sind Original-Racen,die indessen eben so wenig fortdauernd constant bleiben, als es die genannten Ur-sachen selbst sind, abgesehen von der Fähigkeit, den Aufenthaltsort so leicht zuwechseln, wie es den Thieren möglich ist. Die Original-Race wird sich demgemäßalso auch veredeln und verschlechtern können. Ersteres zu hindern, dient Rein-haltung der Zucht und möglichste Erhaltung der Grundursachen ihrer Entstehung,auch Auffrischen mit Original-Racethieren. Miteinander gekreuzte Original-Racenerzeugen Mestizen (oder auch Varietäten). Da ihre Entstehung nichts mit derEinwirkung der äußern Natur zu thun hat, so erliegen sie auch bald diesen Ein- !

flüssen und fallen in eine Original-Race zurück. Ihre Erzeugung ist eine künstliche ^

— (Umwandlung). Daß bei Berücksichtigung oben angedeuteter Regeln die Kunst-Race länger erhalten werden kann, ist klar, und selbst eine Veredelung derselben >kann durch vernünftige Anwendung erprobter Grundsätze erzielt werden, entwederdurch Kreuzung oder durch bloße entsprechende Wartung und Pflege oder auchdurch beide zugleich. Sodann entstehen wieder weitere Unter-Racen und Stämme.

Bekannt ist die Thätigkeit der Engländer gegen das Ende des 18. Jahrhun-derts zur Förderung der Zucht edler Vieh-Raceu. Zwei Theorieen hatten sich hierentgegengestellt, die eine zu Gunsten der Zucht von Individuen derselben Race(Inzucht) und selbst der wettern Kreuzung unter Blutsverwandten, also in deneinzelnen Stämmen (Reinzucht); die andere zu Gunsten der Zucht von Individuenverschiedener Abstammung (Kreuzung). Zum Glücke hielten die Praktiker sich nie-mals streng an die eine oder andere Ansicht, sondern meinten, daß der zu erreichendejeweilige Zweck bald für das eine, bald für das andere Verfahren bestimme. DieVortheile der Kreuzung zeigten sich allerdings in England an den verbessertenPferde- und Schweine-Racen, doch aber waren die Beispiele von durch Kreuzungerzielten nachthciligen Folgen noch weit häufiger, insbesondere wenn man nicht rechtmit sich klar war, was man denn eigentlich mit der Veredelung erzielen wolle undwenn man die anatomisch-physiologischen Grundsätze, sowie den Einfluß des Bodensund des Klima's nicht gehörig zu würdigen verstand.

Unter den Praktikern erwarben sich am Meisten Ruf Bakewell (1730),Cullep, Svmmerville, Parrv, unter den Theoretikern Coventry, Dar-win, Hunt, Avung, Lebright rc. Bakewell brachte überhaupt Thierezusammen ohne Rücksicht auf die Verwandtschaft des Blutes (breeäinA in anä in),welche die vollkommenste Gestalt hatten. („Gleiches zeugt Gleiches"). So auchverfuhr man überhaupt in jenen Districten, welche die Viehzucht am Besten übten,wie in Leicestershire und Northumberland (Loudon).