Viehzucht.
179
Culley und Cline stellten den Grundsatz auf, daß es im Allgemeinen übelgethan sei, auf Vergrößerung einer inländischen Thier-Race hinzuarbeiten, dasie regelmäßig in demselben Verhältnisse an Gestalt und Dauerhaftigkeit abnehme,als sie an Größe zunehme. Lebright erklärte für Aufgabe der Zuzucht Männchenund Weibchen so auszuwählen, daß sie hinsichtlich ihrer guten und fehlerhaftenEigenschaften zu einander zum Behufe der Vermehrung passen. Fehler der Racenzu verbessern oder ihnen neue Eigenschaften zu verleihen, kann durch Kreuzungleichter erzielt werden. Auch haben Lebright und Prinsep über den günstigenErfolg der Paarung unter Blutsverwandten die schönsten Erfahrungen gesammelt,denen gemäß gerade hiedurch die Uebertragung gewünschter Eigenschaften amSichersten erfolgt. Daß auch in Deutschland, namentlich in der Zeit bevorzugterSchafzucht (von 1810 —30), dieses Capitel besonders strengen Raisonnementsunterzogen ward, ist bekannt und Fr. v. Ehren fels' scharfsinnige Thesen,wie Bartenstein's, Andrö's rc. Ansichten haben viel zur Feststellung jetztgeltender Grundsätze beigetragen. Auch Pictet, Hartmann, Wollstein undviele Andere.
Verständige Landwirthe hatten hier bald den Grundsatz ausgestellt, daß Zweckder Paarung sein müsse, solche Thiere zu vermehren, welche nach Form, Größeund Beschaffenheit den örtlichen Verhältnissen einer Wirthschaft vollkommenentsprechen. Für diese sind sie dann edel! Man erreiche diesen Zweck am Besten durchPaarung der schönsten Thiere einer und derselben Race — also nach den Grund-sätzen der In- und Reinzucht.
Busson dagegen hatte zuerst den unglücklichen Satz ausgesprochen, daß mandas Ideal der Vollkommenheit nur durch Ausgleichung der Eigenschaften mittelstKreuzung erreiche, eine Behauptung, welche die planlose Erzeugung eines buntenHaufwerks von Blendlingen aller Art zur Folge gehabt hat, mit dem Resultat,daß Pferde- und theilweise selbst Rindviehzucht im entschiedenen Rückschritte sichbefinden, Schafzucht aber da, wo sie in Geltung war, nicht aufkam. Wollstein,Justinus, Rvchner eisern vergebens dagegen.
Man kann als das Resultat der so vielfachen Arbeiten auf diesem Gebietebezüglich der Uebertragung der Eigenschaften der Aeltern auf die Nachkommen an-sehen: 1) daß der Einfluß des Vaters sich mehr auf den vordem Theil des Körpers,auf Temperament, Haut und Hautbedeckung äußere, der der Mutter aber mehr aufdie Hintertheile und die Organe des plastischen Lebens. Geist aber erbt mehr vonder Mutter als vom Vater über; 2) je reiner und selbstständiger die Race, um sogrößer ist die Uebertragungsfähigkeit, — geringer aber im Gegentheile, das beihöchstem Grade selbst Fehler erzeugt; 3) schwache, selbst kränkliche Weibchen er-zeugen mehr männliche Thiere, und das Verhältniß der männlichen Nachkommen-schaft znr weiblichen scheint bei den Hausthicren gleich zu sein; auf 100 männlichekommen 100 weibliche Geburten. Vollkommene, große und starke, aber nichtfette Weibchen mit sehr vollendetem weiblichen Habitus und mittelgroße, starkeMännchen mit viel Temperament geben die beste Nachkommenschaft; 4) die ersteZeugung bei der Kreuzung ist die reinste und der Einfluß des Himmels und derNahrung auf die Nachkommenschaft noch am Geringsten (Hartmann 1786);sehr selten aber ist das Erstgeborene zur Nachzucht tauglich; unter allen Geburtenist das erste und letzte im höher» Alter eaeisris paridus am Wenigsten werth;5) Fehler der Aeltern kommen oft erst nach mehreren Generationen wieder zumVorscheine (Pictet).
Für die Paarung selbst gelten dann als Grundregeln, daß nur Thiere, mitden gewünschten Eigenschaften im vollkommensten Grade versehen, gepaart werdensollen, insbesondere muthige und blutverwandte. Erst nach wiederholten Aenße-