Ziegenzucht — Schweinezucht.
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zu diesem Nahrungs-Quantum ist ihre Nutzung sehr groß. Diese besteht in denJungen, die sehr schmackhaftes Fleisch liefern, in der sehr süßen Milch, davonman täglich ungefähr 2 bayrische Maß und kurz vor dem Werfen 1 Maß ge-winnt. Die Häute liefern Corduan, die Haare der Angoraziege dienen wieoben erwähnt, ebenso der Flaum, von dem die im hochgebirgigen Asien lebendenRacen an 5—18 Loth liefern, während unsere einheimischen einen zwar ebensoguten und noch feinern liefern, aber nur 3 Loth por Stück im Durchschnitte, wassich im Gegenhalte zur mühsamen und langwierigen Arbeit des Kämmens undSortirens noch lange nicht verlohnt. (Krause's Ziegenzucht 1831.)
Schweinezucht.
Wenn wir die Ziege einen Nachzügler landwirthschaftlicher Thierhaltnng ge-nannt haben, so müssen wir das Schwein aus ähnlichen Gründen einen Vorläu-fer derselben heißen, so wie dieß zunächst die Geschichte uns zeigt. Einstimmigreden alle Reisende von der Unzahl wilder Schweine an der Mündung desEnphrat und Tigris, an den weitaus Sümpfe bildenden Ufern dieser Flüsse,wo sie im Röhrichte und Strauchwerke willkommenen Aufenthalt finden. Wennnicht allein dort, sondern auch an anderen ähnlichen Lagern des wärmern Afien'ssich viele Wildschweine finden, so ist doch gewiß, daß sie dort der beständigenWärme halber besser gedeihen konnten, als irgendwo sonst in Europa. Habennun die von Mittelasien auswandernden Völkerstämme das Schwein gezähmt mitnach Europa gebracht, oder fanden sie es allenthalben in den Wäldern desselbenund begannen es zum Hausthiere zu machen — genug, kein anderes Thier dienteso sehr, um Völker zu charakterisiren, als dieses, und während Aegypter, Ara-ber, Syrer und Hebräer insbesondere das Schwein verschmähten, ward es beiden Griechen und Römern sehr hoch gehalten, und bildete die beliebteste Thier-art germanischer Völker. Immer auch war ihr Werth um so höher, je barbari-scher selbst noch die Völker, wie weiland Eumäos von Jthaka zeigt und die vielenschweren Strafen der germanischen Gesetzbücher, mit denen sie den Sanhirten zuachten und sühnen geboten. Und ist nicht noch jetzt das ungarische Schwein,das friesisch-angelsächsische, das böhmische und vorzüglich die bayrische Race somerkwürdig zunächst auf diese Völker selbst beschränkt, ohne durch Boden undKlima ihrer Länder besonders verändert worden zu seyn, obgleich beide dort sehrverschieden sind? Die Gefräßigkeit und Verdaunngskraft des Schweines, seineaußerordentliche Mastfähigkeit, sein schnelles Wachsthum, seine sehr starke Vermehrung,seine Eigenschaft, Alles oder doch sehr vielerlei zu fressen — das Alles bildetdie Summe trefflicher Vorzüge, welche die Schweinehaltung und Zucht zu lohnenversprechen. Das Mutterschwein wird schon mit 8—9 Monaten hitzig, geht 115Tage durchschnittlich trächtig und wirst 6—14 Junge oder Ferkel, welche 6—8Wochen saugen. Selten hält man Zuchtschweine 12 Jahre lang, obgleich sie an20 Jahre leicht alt werden, denn ihr Fleisch wird mit dem Alter schlecht; dochaber erreichen sie erst mit 3—7 Jahren ihre vollste Fruchtbarkeit.
Unter den Racen, die man unterscheidet, gehören 2 den slavisch-magyari-schen Volksstämmen an, das ungarische und polnische Schwein (mit der russischenUnter-Race); dann die germanische Race byi den Friesen und Nordteutschen, Nord-franzosen und Engländern, selbst den Lombarden und Spaniern —; endlich daschinesische, halbnackte Schwein des heißen Asien und Afrika, selbst in Südeuropa,wohin es Araber und Mauern brachten. Im südöstlichen Europa herrscht dasungarische Schwein vor, eine ebenso in Bulgarien, Slavonien, der Moldau undWallachei, der Türkei und Griechenland, wie in Ungarn verbreitete Race.