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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

Die gemeine Land-Race Südteutschland's und Frau kreich's mit ihren Abartenconstitnirt eine deutsche Unter-Race, die durch magere Weide und spärlicheFütterung in Heerdcn ihr Aussehen gewonnen hat, als nämlich die sette Wald-weide der alten Zeit ein Ende genommen hatte.

Zur Haltung im Freien sind polnische und ungarische Raccn am Besten ge-eignet, zur Mästung im Stalle die deutsche, doch hat jede Gegend in den ihr ei-genthümlichen Racen manche Vorzüge wieder, die durch neu eingeführte fremdenur schwer ersetzt werden.

Munterkeit, breite Brust und breites Kreuz, langgestreckter Körper beiweit gestellten Füßen und großer Freßlust sind Cardinal-Bedingungen beimZuchtferkelkaufe. Man hüte sich, die sehr bald brünstigen Mutterferkel zu bald zu-kommen zu lassen, weil dann jedenfalls der erste Wurf nichts taugt. DurchSchweinezucht, auf Ferkelverkanf berechnet, kann bei guten Racethieren viel Geldgewonnen werden. Indessen hat man auch viele Vorsicht zu beobachten, da dieMutterschweine ihre Jungen bekanntlich gern selber fressen, sie oft erdrücken, odergar nicht saugen lassen. Nach 4 Wochen können die Jungen schon abgespäntwerden, worauf die nicht zur Zucht bestimmten bald castrirt werden, was indessenauch schon während der Sangzeit geschehen kann. Man rechnet 3050 Säue iauf 1 Eber oderBär, der nicht vor einem Jahre und nicht nach dem 4. mehr zur >Zucht verwendet werden soll.

Man nimmt den 5. Theil des lebenden Gewichts als Futter-Quantum fürdas Schwein an. Es frißt Gras und Kleearten im frischen Zustande, Wurzelnund Knollen, Früchte, Getreide, Kleien aller Art, Molken, Spühlicht und Tra-bern rc. Nächst dem Futter ist reinlicher Stall Hanptbedingung bei derSchweinehaltung, daher ist frische Streu häufig zu geben, und vor'Allem fließen-des Wasser oder ein Schwemmloch zum Baden und Suhlen derselben nöthig.Man mästet in 812 Wochen bei halber, in 1618 Wochen bei ganzer Mast.

Sie nehmen zu von ^ bis 1 ^ Pfd. per Tag je nach Futter und Freßlust,welche letztere man durch Zugabe von gesalzenem Haferschrote reger zu erhaltensuchen muß. Da die Mastzeit meist in den Winter fällt, so ist für warmeStallung um so mehr zu sorgen, als das Schwein kcincsweges ein Thier ist, dasgroße Kälte selbst im wilden Zustande verträgt. Eine florirende Schweinhaltungist fast durchgängig das Zeichen eines hochstehenden Wirthschaftsbetriebcs.fBiborg Anleitung zur Erziehung und Benützung der Schweine,Kopenhagen 1806.)

Haumann praktische Schweinezucht Weimar 1841.

Pferdezucht

Wie auf den grasreichen Alpenmatten oder den sonnigen Gebirgshängendes warmem Südens das Schaf, wie in Fettweide bietenden sumpfigen Nie-derungen oder üppiggrünen Marschen das Rind, so durcheilte wohl am Na-türlichsten und Freiestcn im wilden Zustande das Pferd zuerst die futterreichenebenen Steppen des mittlern Asien's, begünstigt vom festen aber stein- oderfelsfreiem Boden, von reichströmenden Wassern vor Allem aber von frischer,trockener und warmer Lust und heiterm Himmel, die sein Gedeihen so namhaftfördern. Von der asiatischen Steppe, in welcher fauch in Afrika und Amerika)das Pferd noch jetzt verwildert in großen Schaaren sich aufhält, ward es wohlzunächst von Nomaden genommen und gezähmt, ward es auf den nysäischen Gefildender Mederkönige oder aus den Plateau's der Kappadokier (Thogarma) durchInzucht veredelt und bildete so die edelste Race die medische der alten