Band 
Physikalische Arbeiten der einträchtigen Freunde in Wien. [Erster Jahrgang.]
Seite
22
JPEG-Download
 

22

ge steigen, mithin auch die Luft sich nach und nach aus den Zwischen-räumcn eher loswinden mochte, als sie die Widerstände zu brechen ge-zwungen ward.

Daß die Luft nicht ehe, als bis zur wirklichen Aussprengungder Steinmassen die leeren Räume verlassen habe, beweisen die nochübrig gebliebenen Grotten: denn in vielen derselben, wie ich es beimZirknitzer See bemerkte, kann die Luft wirklich noch zusammgedrücket,und lange Zeit aufgehalten werden. Es ist also ein richtiger Schlußwir sehen die Ausbrüche: Bloß im Mittel des Wassers konntensie wegen des Gleichgewichtes nicht geschehen ; also sind sie durchMitwirkung der eingesparten Luft verursachet worden, und dar-aus fließt eine wichtige Folgerung: daß nemlich die dieses bewirkendeUcberschwemmung so geschwind angewachsen ist, daß die eingesperrte Luftnicht Zeit hatte sich aus den Klüften loszumachen, sondern die schließen-den Lasten über sich zu heben genöthiget ward.

Die Muthmaßung, daß bloß im Mittel des Wassers ohne diegepreßte Luft diese Verwüstungen fürgehen konnten, finde ich zu wider-legen überflüssig; denn das ruhige Wasser hält, ohne Zuthun andererKräfte, vollkommenes Gleichgewicht in den eingesenkten schwereren Kör-pern , und die gewaltigsten Strömmungen konnten zwar das ausgebrs-chene weit forttreiben, nicht aber aus so erstaunlichen Tiefen herausar-beiten.

Auch auf dem Boden des Ozeans dürften einige Veränderun-gen sich ereignen; ohnerachtet es scheint, daß, nachdem das hohe Meerfii lange vorher im Besitze ihres Grundes war, alle Luft aus der mür-desten Höhlung hervordringen, mithin keinen Unterschied der Schwe-ren verursachen konnte.

Wenn ich auch zugebe, das -er Meerboden sich ganz mit demWasser ins Gleichgewichte gesetzet hat, nachdem selbes in ihren Grän-zen so lange darüber gelegen ist; so fragt sichs dennoch, ob eben diesesGleichgewicht noch fortdauren müsse, wenn daß Wasser die höchstenBerge übersteigt, und die Säule des Druckes auf dem Boden vieleichtnoch einmal so hoch wird? daß sie aber wenigstens noch einmal so hochward, läßt sich nicht ohne Grunde muthmaffen, weil doch die Gebirgeeben so hoch, wo nicht höher über die Oberfläche des Meeres emporstei-gen.

*