Band 
Physikalische Arbeiten der einträchtigen Freunde in Wien. [Erster Jahrgang.]
Seite
23
JPEG-Download
 

2Z

die wahrscheinlichsten Merkmale sowohl in der Anlage seiner Gebirge,als seiner wunderbaren Salzgruben, daß es entweder sehr lange derGrund eines Meeres gewesen ist, oder lange durch das Abfließen eineshöher liegenden Meeres beströmet worden ist. Grüner hat den ähnli-chen Fall (wie ich oben erinnerte) in seinem Helvetien bemerket, undaus der Muthmassung, daß dessen Mittel lange mit einem See müssebedeckt gewesen seyn , leitet er die sinnreiche Erklärung seiner Verstei-neruugsbeobachtungen her.

Dieses alles zusammen genommen, läßt mir keinen Zweifelübrig, daß alle sogenannte Muschelbänke, so weit sie immer unterir-disch streichen mögen, unwidersprechliche Zeichen der Meergründe sind,worauf die eingeschlossenen Landseen einmals lagen, und die auch nachder Erniedrigung des allgemeinen Weltmeeres lange noch mit Wasserbedecket waren, also, daß es ganz unnöthig scheint, zu einer längerenDauer der allgemeinen Überschwemmung Zuflucht zu nehmen.

Wie geschah es aber, daß diese Gründe der Landmeere wiede-rum mit schwereren Erd - und Steinäxten so tief konnten überschüttetwerden. Ja was noch mehrer ist, wie fügte es sich, daß man einenMecrgrund unter den anderen entdecket, und in Abteufungen derSchächte auch auf die dritte Dammerde, derer eine von der andernviele Klafter entfernet war, gekommen ist? welches Anlaß gab zu ver-muthen, daß eben so viele allgemeine Fluthen, als mau übereinander

lie-

Flüssen entstunden. Die nachfolgenden ruhigeren kleineren Überschwemmungenbis auf unsere Zeiten gltechen die Thaler aus, durch welche der Fluß unsicherherum irrete; also, daß sich die Flachen endlich an die steilen Gebirge, so wiewir nun sehen, fass eben anschließen. Ich glaube, daß dieser Begrif vielleichtauch anderwärts um so mehr statt finde, weil die Ungleichheiten des Grund-bettes der Flüsse, die im kleinen auch itzo noch angetroffen werden, und dieFlußcngen nirgends füglicher, als von der ersten Erbanlage, die ju grossenSeen Gelegenheit gab, hergeleitet werden können. Ueber dieß, findet mannoch heut ju Tage in der Cstk, und anderwärts in hohen Gebirgen, unverän-derliche Seen, deren Quellen ich niedriger als die niedrigste Stelle ihrer Uferju seyn erachte, daher auch kein Abfluß erfolgen kann.