54
den Augen verloren haben. Wir haben gesehen, wie dieIdeen, die wir in der Einleitung zu seinem B. S. gefundenhaben, nichts weniger als original sind; wir haben gesehen,wie die mächtig fluthende Bewegung des erwachten National-bewusstseins fast alle deutschen Humanisten ergriffen hatte,und dieselben mit Nothwendigkeit dazu führte, Sinn und In-teresse der deutschen Vergangenheit entgegenzubringen. AuchPirckheimer gehörte zu denen, die von dieser Strömung er-griffen wurden. In der Explicatio ‘) wie im B. S. sagt eres uns ausdrücklich, dass dies die Ursache sei, warum erzur Feder gegriffen habe. Ihr also in erster Linie verdankenwir diese beiden Werke, ebenso das kleine Fragment überTrier, * 2 ) welches er im Sommer 1512 besucht hatte.
Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die Explicationäher zu untersuchen, aber um Pirckheimer den Geschicht-schreiber kennen zu lernen, dürfen wir an diesem Werkenicht vorüber gehen, ohne uns mit den in demselben nieder-gelegten Anschauungen gelegentlich etwas zu beschäftigen.Gehört die Schrift doch dem Grenzgebiet der Historiographiean, und vieles, was uns hier in die Augen fällt, wird einLicht auf seine historische Anschauungsweise werfen, undbeurtheilen lassen, wieweit er die Befähigung zur Geschicht-schreibung besass.
Wäre die Explicatio in unsern Tagen geschrieben, sowürde sie etwa den Titel „Deutsche Alterthumskunde“ er-halten haben. Es ist eine Wanderung durch das alte Deutsch-land, die er an der Hand von Ptolemäus, Strabo, Plinius,Cäsar, Pomponius Mela und Tacitus unternimmt, wobeier überall darzustellen sucht, was die damaligen Bezeichnungenheute — also in Pirckheimers’s Tagen — für einen Namen
*) Op., pag. 94, in den Einleitnngsvvorten an den GrafenHermann von Neuenar, dem er das Werk dedicirt.
2 ) Op., pag. 92.