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Wilibald Pirckheimer als Geschichtschreiber : Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde / vorgelegt der hohen philosophischen Fakultät der Universität Basel von Otto Markwart
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tragen, was man heute darunter zu verstehen hat. Wiedankbar dieser Versuch aufgenommen wurde, darüber gibtuns ein Brief des Joh. Pflug 'j Aufschluss. Derselbe schreibtan Pirckheiiner: Ex Topographia, quae mihi tuo nomine donataest. magnum cepi fructum. Primum quod tua esset illa;deinde vero, quod me domum quodammodo duceret. Namante hac sic versatus sum in scriptis veterum de Germanianostra, ut in ipsa patria peregrinari viderer. Nunc vero teduce quibus in locis sim, video. Magnam crede mihi lucemintulisti Tacito. . . .

b) Kritik.

Gerne pflegt man der humanistischen Geschichtschrei-bung nachzurühmen, dass sie es sei, die mit der Quellenkritikbegonnen habe. * 2 ) Bis zu einem gewissen Grade ist das auchrichtig, allein man darf sich darüber nicht allzugrossenHoffnungen hingeben. Dass sie damit begonnen hat, dass siesich auch nicht gescheut, die angesehensten der alten Autorenwie Jul. Cäsar vor das Forum ihrer Kritik zu ziehen, in Fällenwo eigene Anschauung es anders lehrte, das verdient aller-dings unsere hohe Anerkennung. Aber gerade das B. S. istein lehrreiches Beispiel, wie sehr man sich hüten muss, dieQuellenkritik, wie sie damals geübt wurde, zu verwechselnmit derjenigen der modernen Geschichtswissenschaft. Eswird dies klar werden, w'enn wir die einzelnen im B. S. er-zählten Ereignisse kritisch betrachten.

Wir können sagen, Pirckheimers Quellenkritik beschränktsich auf diejenigen Punkte, die er durch eigene Anschauungbesser kennt als der Autor, der von ihnen spricht, sowie aufAngaben, die seinem durch Lebenserfahrung und humanistische

) Op., pag. 258, der Brief ist datirt vom 31. Sept. 1530.

2 ) Hagen, a. a. ()., p£ 293; Horawitz, pag. 67.