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Die Branntweinnoth, ihre Ursachen, ihre Folgen und ihre Bekämpfung : vom bernischen Verein gegen die Branntweinnoth gekrönte Preisschrift / [Heinrich Rettig]
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22
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Was ferner die Behauptung angeht, daß durch die Vertheue-rung von Wein und Bier vermittelst des Ohmgeldes der Schnaps,mißbrauch befördert werde, so ist dieselbe ganz thöricht. Du wirstdoch nicht im Ernst glauben, daß ein Wirth dir wohlfeilern oderbessern Wein gäbe, wenn er den Schoppen um 1^/4 Cent. wohl-feiler beziehen könnte. Weder Seeländer noch Waadtländer würbeum 1 Cent. billiger! Denn 7 Cent. per Maß sind und bleibeneben 7 Cent. Es fragt sich nur, ob wir circa 1 Million Frankenjährlich, welche der Staat am Ohmgeld rein gewinnt, wollen denWirthen und Weinhändlern in die Tasche jagen und wollen denndiese für die Staatsverwaltung nothwendige Million gutmüthig ausdem eigenen Sack zusammentellen. Von einer Ursache der Brannt-weinnoth ist aber hier nicht die Rede. Kurzum, wir sehen dieUrsachen der Branntweinnoth hauptsächlich in unsern Gelüsten,welche durch Erziehung und Bolkssitten, durch unsere ökonomischenund socialen Verhältnisse mannigfach gepflegt und großgezogen,durch Blindheit und Gewissenlosigkeit der Menschen aber zu verderb-licher Macht und Gewalt emporgehoben werden.

m. Bekämpfung der Branntweinnoth.

Die Trunksucht ist ein Erbübel der Völker deutscher Abkunft,haben wir vorhin gesehen. Aber wie die Herren Aerzte mit densogenannten chronischen Krankheiten nicht gern zu schaffen habe»,so wird es überhaupt viel schwieriger, einen eingewurzelten, gleichst«angebornen Fehler zu überwinden, als einen Fehler, der weniger engmit unserm Wesen verwachsen ist. Außerdem gleichen wir stBezug auf solche eingewurzelte Fehler jener Sorte von nichtsnutzi-gen Fürsprechern, die auch bei der größten Spitzbüberei immer nochfür Annahme mildernder Umstände das Wort ergreifen. So wollenwir auch nicht bekennen, Unrecht sei Unrecht, sondern meinen, einso allgemeiner Fehler, wie die Trunksucht, sei dem Einzelnen nichtso hoch anzurechnen, man solle doch bedenken, wie unwiderstehlicheVersuchung uns durch Beispiel, Gelegenheit und die eigene Naturbereitet werde. Ja, wenn wir Lust haben, den Teufel mitÄelial auszutreiben, dann müssen wir also reden; denn es ist ebenauch eine Art, von der Sünde loszukommen, wenn wir unser Ge-